Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644646
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Viertes 
Buch. 
Neben Rietschel hat Ernst [Iiihnel zu Dresden eine Reihe von plasti- 
schen Schöpfungen hervorgebracht, in denen ein selbständiges Zilrück- 
gehen auf die Antike durch eine schwungvoll erregte Phantasie zum Aus- 
druck kommt. S0 in dem stürmisch bewegten bacchantisehen Frics an 
_der Attika des Theaters; so auch in den nach seinen Entwürfen ausge- 
führten zahlreichen Reliefs des Museums, in dessen plastische Aussehmüla- 
kung er sich mit Rietsehel getheilt hat. In den für dasselbe Gebäude 
gearbeiteten Statuen von Künstlern, von denen ich nur Rafael und Michel- 
angelo nenne, hat er in stylvoller Wiedergabe des individuellen Lebens 
nicht minder Anziehendes erreicht. Aus früherer Zeit (1845) datirt das 
kräftig aufgcfasste Denkmal Beethovens in Bonn, mit geistvoll compo- 
nirten Reliefs; sodann das Standbild Karls IV. zu Prag, an dessen Posta- 
ment die fein charakterisirten Gestalten der vier Fakultätten. 
Eine wesentlich abweichende Richtung schlug in München Ludwig 
Schmanthaler" ein (1802-1848). Er ging, angeregt durch wiederholten 
Studienaufenthalt in Rom, von antiken Anschauungen aus, wie sie dort 
durch Thorwaldsen erneuert werden viaren. In dieser Richtung schuf er 
die innere plastische Ausstattung der Glyptothek, deren edle Reliefwerke 
bei hoher Aumuth des_ Styls, von trefflichem Compositionstalente zeugen. 
Auch für den neuen Königsbau hatte er die bildnerische Dekoration zu 
liefern, die zum Theil in verwandten] Ansehauungskreise sich bewegt, 
zum Theil aber, in dem 266 Fuss langen Fries der Kreuzzüge, (für den 
Saalbau entworfen) zu einer Verschmelzung antiken Formgefühls mit ro- 
mantischem Inhalt übergeht. Eine über-strömende Phantasie, eine seltene 
Unerschöpßichkeit der Erfindung quillt in diesen Werken und beweist, 
welch' fliessende Leichtigkeit des Schaffens dem Meister eigen war. An 
Fülle der schöpferischen Kraft steht er vielleicht unter allen modernen Bild- 
hauern als der erste da. Aber die Hinfälligkeit eines kränkliehen Körpers, 
und wohl auch die Schnelligkeit, mit welcher König Ludwig seine Mün- 
chener Schöpfungen betrieb, liessen Schwanthaler in den meisten Fällen 
nicht zu einer reinen Durehbildung der Gestalten kommen, so dass vielen 
seiner Arbeiten, bei geistreicher Lebendigkeit des Entwurfes, doch die 
"wahrhaft lebensvolle Ausprägung fehlt, und mehr eine flüchtig dekorative 
Wirkung hervorgebracht wird. 
Für die Walhalla schuf Sehwanthaler die jltlarmorgruppen der bei- 
den Giebelfelder, das eine, nach Rauchs Entwurf, die zweite Befreiung 
Gernmniafs, das andere die Itlermannsschlacht darstellend; letztere bei 
treiflichen und ergreifenden Einzelzügen doch ohne zwingende Gewalt im 
Gesammteindruck.
        

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