Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644621
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Buch. 
einer Reihe von Jahren, von Kränklichkeit vielfach gebeugt, eine An- 
zahl von Sehöpi'l111g'e11 hervor, in denen geistige hhische, Zartheit der 
Empfindung und Adel der Form sich vermälen. Dem idealen Gebiet ge- 
hören die tredlichen Compositionen für die Giebelfelder des Theaters 
in Dresden und des Opernhauses in Berlin an, in denen Gegen- 
stände der antiken Mythe lebensvoll geschildert sind. Auch kleinere 
Darstellungen solcher Art, wie die Reliefs der vier Tageszeiten und der 
von Amor gebandigte, sowie der mit Amor (lureligeliende Panther sind 
von hinreissender Naivetät und voll Anlnuth. Idealen Gehaltes sind 
ferner die zahlreichen nach seinen EIItWllPfUII ausgeführten Reliefs am 
Museum zu Dresden, während die für dasselbe gearbeiteten Statuen 
grosser Künstler, wie früher schon die Diehterstzztuen für das Theater, 
einen eben so rein entwickelten Sinn für die iluffassung des Individuellen 
bekunden. 
Letztere sollte dann in einer Reihe, öfthntliiahtäi- Standbilder zu me- 
uumentaler Geltung kommen. Das erste war das einfach würdige Denkmal 
Thaers in Leipzig. Bedeutender aber ist dieberiihmte_Erzstatue Les- 
sings in Braunschweig (Fig. 230). ln dem scharfen Betonen des Be- 
sonderen, durch die Zeit und. Individualität Bedingten ging er noch einen 
Schrittüber das von Rauch Gegebene hinaus und führte einen stärkeren 
Grad von Realismus in die Monumentalplastik ein, wusste denselben 
jedoch durch geistvoll energische Charakteristik, durch tiefe Auffassung 
und Wiedergabe der ganzen Persönlichkeit zu adeln. Sein Göthe-Sehiller- 
Denkmal für Weimar gicbt in diesem Sinn eine mustergültige Darstel- 
lung jedes Einzelnen der beiden Dichter, in welcher man gleichsam den 
plastischen Widerhall ihres eigensten Wesens empfindet: allein durch das 
(gegebene) sinnbildliche Motiv des Kranzes, welches eine Ilaridlung in die 
Gruppe bringt, die ein- für allemal beim ersten Eindruck nicht von schla- 
gender Klarheit ist, musste die Gcsammtwirkung nothwendig leiden. 
Es folgte dann das tretfliche Denkmal für Karl Maria von WVebcr in 
Dresden, wo die schwierige Aufgabe, das Wesen eines Tondiehters 
plastisch auszusprechen, bewundernswürdig einfach und fein gelöst ist. 
Endlich das Lutherdenkmal für Worms, ein in der ganzen Anlage 
höchst grossartiges Werk, für welches Rietschel selbst noch kurz vor 
seinem Tode des Luther-Standbild (Fig. 231) im Modell vollendet hat 
Der Reformator ist in seiner kühnen Wahrhaftigkeit, seinem felsenfesten 
Gottvertrauen so einfach gross, so ergreifend und vollwiehtig monumental 
hingestellt, dass er dem Bilde des anderen Befreiers, Lessing, mindestens 
ebenbürtig zur Seite tritt. In beiden Werken hat die Plastik das höchste 
Ziel dieser Gattung erreicht: sie hat die geistigen und sittlichen Ideale des
        

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