Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644607
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Viertes 
Buch. 
Neben diesen Denkmälern, in Welchen die Erscheinung des Indivi- 
duellen zu historischer Würde und zum Gepräge der [Tnvergätngliehkeit 
erhoben ist, schuf Rauch auf idealem Gebiet einige Werke von klassischer 
Vollendung. Namentlich sind es die sechs Inarmornen Viktorien für die 
Walhalla (1833-42), in denen das Wesen der siegverleihenden Gott- 
heiten zu individuell abgestuftem Ausdruck einer allgemein menschlichen 
Empfindung entwickelt ist. Aus seinen letzten Jahren datirt dann _die 
nach seinem Modell ausgeführte Marmorgruppe des von Aaron und IIur 
im Gebet unterstützten Moses. Plastisch in unübertreiifliclier Schönheit 
des Linienzuges aufgebaut, hat sie in den Formen doch etwas zu Allgemei- 
nes, das sich sonst nirgends in den Idealwerken Rauchs findet. Der 
Grund liegt wohl in dem durchaus Unplastischen des Gegenstandes, des- 
sen Bedeutung nur in einem Relief, oder besser noch in einem Gemälde 
zur Darstellung kommen kann. Durch seine Isolirung hat das Werk 
etwas erkältend 'l'endenziöses bekommen und man fühlt, dass die Aufgabe 
dem Meister aufgedrungen wurde, um die Idee des vom Priester und vom 
Soldaten unterstützten Herrscherthumes zur Erscheinung zu bringen. Da- 
mit hat denn die Sculptur sich, wie sie eben konnte, abgefunden. und 
wenigstens ein Meisterstück plastischer Linienführung geschaffen. 
Wenn ich sehliesslieh noch erwähne, dass Rauch ausser diesen gros- 
sen Werken unzählige Bildnissdarstellungen, namentlich Marmorbüsten 
von höchster Vortrefflichkeit geschaffen hat, in denen die geistvolle Auf- 
fassung des Individuellen sich durch eine musterhafte Vollendung der 
technischen Behandlung zu erkennen giebt, so ist ein immerhin dürftiger 
Umriss seines Wirkens gegeben. Man erkennt daraus, dass Rauch, sehr 
verschieden von 'I'horwaldsen, nicht in überströnlender Phantasie eine 
Fülle idealer Anschauungen zu verkörpern suchte, sondern dass er fast 
aussehliesslich von einer gegebenen Persönlichkeit ausging, diese aber 
mit trencster Hingabe an ihre ganze individuelle Erscheinung zu einem 
Adel des Styls, zu einer historischen Bedeutsamkeit erhob, welche selbst 
in Gestalten vom schärfsten Realismus den idealen Gehalt und eine monu- 
mentale Wirkung zur Geltung brachte. Dies liebevolle Eingehen, dies 
sorgsame lJurehbilden gab aber derBerliner Schule jene gediegene Grund- 
lage, auf welcher sie sieh zu so bedeutenden Resultaten entwickelt hat. Als 
wichtig und bezeichnend muss ausserdem hervorgehoben werden, (lass 
Rauch sich dem christlichen Idecnkreise in seinen Schöpfungen fern ge- 
halten und ebensowenig der romantischen AuffassungZugeständnisse ge- 
macht hat. 
Von den Nachfolgern und Schülern Rauchs ist zunächst als einer der 
tüchtigsten und thiitigsten Frieclriclz Drake  Allbekannt
        

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