Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637808
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Erstes Buch. 
erinnern. Die menschlichen Gestalten halten sich ziemlich einförmig, die 
Thiere dagegen zeigen elastische und lebensvolle Bewegungen.  
Ausscr diesen merkwürdigen Darstellungen finden sich vereinzelte 
Reliefbildcr an den Felswänden der Königsgräiber von Perscpelis. 
Sie enthalten stets über einer Säulcnstellung sammt Gebälk ein 
von vielen Menschcnfiguren emporgehaltenes bühnenartiges Gerüst, auf 
welchem der König in feierlicher Haltung vor einem Feueraltarie dem 
Lichtgeiste Orinazd, gemäss der reinen Lehre Zoroasters, seine Yor- 
ehruug (larbringt. Diese Scenen atlnnen noch merkbarer den stillen, 
würdevollen Geist der übrigen persischen Denkmale. Bemcrkenswcrth 
ist die Gestalt des Feroher, d. h. des Sehutzgcistcs, der hier wie überall 
über dem Könige schwebt: eine mit Flügeln und Vogelschwanz versehene, 
in einem Ringe gehaltene menschliche Figur. Man findet sie auch auf 
assyrisehen Monumenten. 
Endlich haben wir eines wichtigen Denkmals ElWVällllllllg zu thun, 
das unter allen persischen läildwerken allein einen bestimmt ausge- 
sprochenen geschichtlichen Vorgang schildert. An einer hohen, steil 
aufsteigenden Felswand bei Behistan oder Bisutun im heutigen 
Kurdistan, an der alten Heerstrasse, die von Babylon gen Osten führte, 
ist dreihundert Fuss hoch über dem Boden mit staunenswerthem Auf- 
wand von Kraft und Kühnheit ein grosses friesartiges Reliefbild aus- 
gehauen. Es stellt einen Perscrkönig mit zwei Begleitern dar, der den 
Fuss auf einen am Boden liegenden Feind setzt.  Der König hält in der 
einen Hand den Bogen und hat die andere wie in drohender Bewegung 
erhoben. Denn ihm gegenüber sieht man neun menschliche Gestalten, 
alle in verschiedener Tracht, aber in derselben Haltung, die Hände auf 
dem Rücken zusammengebunden, ausserdem sämmtlich (lurch ein Seil. 
das die Hälse umschlingt, an einander gefesselt. Uebcr dem Könige 
schwebt der Ferohcr. Die Ausführung des kolossalen Werkes soll zum 
Theil an Feinheit und Sorgfalt den Arbeiten von Persepolis gleich 
kommen; nur die Gefangenen seien flüchtiger behandelt. Durch zahl- 
reiche beigefügte Inschriften werden wir belehrt, dass wir den grossen 
Erneuerer des Reiches und Wiederherstcller der Zoroasterlehre, Darius 
Hystaspis, vor uns haben, der über verschiedene mit Namen bezeich- 
nete Rebellen triumphirt. Der gefährlichste Empörer ist der unter seinen 
Füssen liegende Magier Gomates, in der Geschichte unter dem Namen 
des falschen Smerdes bekannt. Rawlinson setzt demnach die Entstehung 
dieses merkwilrdigen Denkmals in das Jahr 516 v. C1112, jenen Zeit- 
Punktr WO Darius nach Dämpfung der in Babylon, Susiana und anderen 
Provinzen ausgebrochenen Empörungcn einer kurzen Ruhe sich erfreute.
        

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