Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644292
Viertes Kapitel. 
Die Bildnerei von 
705 
des Louvre besitzt von seiner Hand eine ausgezeichnet geistvolle Bronze- 
büste Rousseaus und die Erzstatue einer ganz nackten Diana, von treff- 
licher Durchführung, fein und leicht, wenn auch mehr im Charakter einer 
Venus. In der Revolution wurde der Künstler angeklagt, weil er ein 
altes Bild der h. Scholastiea in seinen Mussestunden überarbeitet hatte, 
und nur 
Leben.  
ihre 
Umwandlung 
eine 
Statue 
Philosophie 
der 
rettete 
sein 
In Frankreich ist 
die Plastik dieser Zeit weltlicher als in Italien. 
Ihre Aufgaben bewegen sich um die Verherrlichung der Fürsten und 
des prachtliebenden Hofes. Aber eben desshalb genügt sie in den 
meisten Fällen weit mehr, weil die religiöse Stimmung in dieser Zeit 
doch einmal voll Unwahrheit war. Allerdings lag für die Bildnerei hier 
eine andre Gefahr nahe: im Sinne ihres Gebieters, Ludwigs XIV., des 
„grosscn Königs", in einen renommistischen Apotheosenstyl zu verfallen. 
Wie man es ihm am besten recht machen  konnte, beweist seine Marmor- 
büste von Bernini im Museum zu Versailles (Galerie 96 des ersten Stocks 
N0. 1889): ganz 'I'heaterhalbgott, hochnasig, kalt und perückenumwölkt, 
die Karikatur eines Jupiter! Derselbe incarnirte Despot, der die schlichte 
Wahrheit niederländischer Genrebilder mit dem bezeichnenden Ausspruch 
von sich wies: "qu'on m'ote ces magots-la", musste wohl von der Kunst 
das hohle theatralische Pathos verlangen, das sein ganzes Wesen aus- 
macht und das sein Lieblingsmaler Lebrun so meisterlich verstand. 
Auch die Plastik bleibt nicht frei von diesem pathetisch Aufgedon- 
nerten; aber im Ganzen weiss sie sich doch viel Gediegenheit und Ernst 
der Auiiassmig zu erhalten, der vor Allem in ihren Bildnissdarstellungen 
zur Erscheinung kommt. Zwar hielt die Zeittraeht mit ihren Perücken, 
Reifröcken und dem ganzen aufgebauschten Wesen ihr manche Klippe 
entgegen, die sie auch durch Aufnahme des römischen Kostüme und naive 
Verbindung desselben mit der Allongeperücke nicht gänzlich umschitfte. 
Dennoch wetteifert sie, innerhalb gewisser Gränzen, in Feinheit der Auf- 
fassung mit den Bildnissen eines Mignard und Rigaud, die freilich selbst 
aus dem, was der Sculptur Nachtheil brachte, dem üppigen Zeitkostüm, 
für sich Vortheile zu ziehen wussten. 
Von einem der älteren Künstler, die den Uebergang zu dieser Epoche 
bilden, Simon Guillain (1581 -l658), besitzt die Sammlung des Louvre 
drei tüchtig gearbeitete Erzbilder des zehnjährigen Ludwig XIV. und seiner 
Aeltern, die von dem im J. 1648 errichteten Pont au Change stammen. 
Von demselben Denkmal rührt ebendort das Steinrelief mit Gefangenen 
und Trophäen, etwas überfüllt, aber in klarer Anordnung und tredlicher 
Auffassung. Es ist noch ein schöner Nachklang der guten Zeit. Auch 
Plastik 
Frankrei 
Simon 
Guillairl 
Liibke, 
Gesch. 
der Plastik.
        

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