Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644205
696 
Viertes Bucl 
Plastik in 
England. 
gut bewegte antikisirentle Statuen des David, Herkules, Simson und 
andrer Helden, des Apoll, Merkur, der Diana und sonstiger Götter und 
Göttinnen. In den Verhältnissen nicht immer glücklich, sind diese Ar- 
beiten doch von guter dekorativer Wirkung und meist noch ohne theatra- 
lische Manier. Sehwerfälliger, mit der Architektur im Einklange, erscheinen 
die Standbilder des Friedrichsbaues (1601 -'I607), fürstliche Personen 
in den Kostümen der Zeit mit einer gewissen (lerben Tüchtigkeit hin- 
gestellt.  
In England erreicht auch während dieser Epoche, obwohl sie den 
glänzenden Aufschwung des Reiches unter Elisabeth umfasst, die Bild- 
nerei keine nationale Selbständigkeit, wenn auch die Portraitdarstellung 
an den Grabmälern immer noch eine tüchtige Nachblüthe treibt. Ein 
edles Werk dieser Gattung lernt man in der Kathedrale von Salisbury 
an dem Grabe der Gräfin von Hertfortl (T 1563) keimen. Der schöne 
Kopf ist weich und liebenswürdig aufgefasst, und das Gewand in reichem 
Faltenwurf {iiessend behandelt. Ihre beiden daneben knieenden ritterlichen 
Söhne zeigen lebendige Wahrheit des Ausdrucks. Steife Gleichgültigkeit 
und Rohheit herrscht dagegen, durch die Mode der Reifröcke veranlasst, 
in den Grabstatuen der beiden Königinnen Elisabeth und Maria. Stuart, 
um 1606 in Westminster errichtet. Aber Welche grossartige Charakte- 
ristik der Köpfe! welcher Ausdruck in den vornehmen, feinen Händen! 
llier berührt uns Etwas von dem ächten historischen Geiste, in Welchem 
damals der gewaltigste dramatische Dichter seinen Landsleuten die Ge- 
stalten ihrer Geschichte in unvergänglichen Schöpfungen verführte. Kein 
Wunder, dass vor der erschütternden Wirkung solcher monumentalen 
Dichtungen die übrigen Künste fortan bescheiden in zweite Linie traten 
oder gar verstummten.  
V01) Bcrnini bis Cauova. 
Restaurath 
der Kirche 
der Kllllili 
Das geistige Kapital der Kunst des 16. Jahrhunderts W2ll'_ gegen den 
Ausgang desselben so vollständig verbraucht, dass eine tiefe Erschöpfung 
auf allen Punkten hervortrat. Der alte Idealismus, zur greisenhaften 
Manier bei-abgekommen, konnte Niemanden mehr befriedigen. Am 
wenigsten vermochte er dem neu belebten Katholieismus zu genügen, der 
aus den Kämplen mit der Reformation hervorgegangen war. Der Jesuitis- 
mus, die Seele dieser Restauration, die sich mit den Waffen des spanischen 
Despotismus gewaltsam durchgesetzt hatte, erkannte, dass es neuer Reiz- 
mittel bedürfe, die Massen für sich zu gewinnen. S0 entstand der prunk- 
volle Baroekstyl in der Architektur mit seinen ueiten grossräumigtwn 
Kirchen, die nun mit sinnebetäubender Pracht geselinzützkt werden
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.