Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644175
Viertes Kap 
Die Bih 
lnerei von 1560 
1760. 
G93 
beiden Erzbilder der Herzöge Albrecht V. und Wilhelm V. (Fig. 212), 
welche an den Seiten der Tumba stehen. Nicht gerade geistreich aufge- 
fasst, erfreuen sie durch die schlichte Treue der Darstellung und die 
vollendete Gediegenheit der bis ins Kleinste technisch meisterlichen Durch- 
führung. In der Anlage des ganzen Denkmals erkennt man sogleich den 
Einfluss des grossen Innsbrucker Monuments.  
Für die Steinsculptur dieser Epoche sind vor Allem die immer 
prunkvolleren Grabmäler das ergiebigste Feld. Die Sucht nach Verherr- 
lichung der durch ihre Lebensstellung hervoi-i-ageiiden Stände führt z11 
einem regen Wetteifer, und die oft lebensvolle, treue Auffassimg der 
Bildnisse lässt gerade an diesen Werken die günstigste Seite des da- 
maligen Schaffens hervortreten. Selbst die beigegebenen religiösen Dxar- 
stellungen halten sich noch eine Zeitlang frei von äusscrlichen Manieren 
und gewähren manchmal den Eindruck einer lauteren und schönen Empfin- 
dung. Höchst prachtvoll ist die Reihe von elf Bildern fürstlicher Vor- 
fahren, welche seit 1574 Herzog Ludwig in der Stiftskirche zu Stuttgart 
errichten liess. Von einer phantasievollen Architektur eingerahmt, stehen 
die überlebensgrossen Gestalten, jede in einer Nische und keck über einen 
Löwen dahinschrcitend, in elastisch freier, bisweilen etwas geziertei- Be- 
wegung da, mit reichen Rüstungen angethan, cin immerhin anziehendes 
Bild ritterlicher Tüchtigkeit. Interessant ist, dass der Künstler mehrfach 
zu dem Mittel griff, welches in früherer Zeit schon bei englischen Grab- 
mälern vorkam: die Gestalten mit gekreuzten Beinen darzustelleni).  
Ein andres umfangreiches Gesammtdenkmal der Steinplastik dieser 
Epoche sind die fürstlichen Grabmäler im Chor der Stiftskirche zu Tü- 
bingen. Diese gehen auf die einfache Form des Sarkophages zurück, 
auf welchem die lebensgrosse Gestalt des Verstorbenen ruht. Bezeichnend 
für das lange Andauern mittelalterlicher Ktmstüberlieferung, sind die 
meisten dieser Werke noch vollständig bemalt. Ziemlich hart und trocken 
erscheinen die früheren dieser Bilder: Eberhard im Bart, ein andrer 
Eberhard, ein Ulrich, Sabine (T 1564) und Eva Christina (T 1575), 
letztere jedoch mit lebendigem Kopf und feinen, Nieichen Händen. Im 
Uebrigen werden aus den Frauenbildern, vermöge der abscheulichen Reif- 
röcke, ganz steife Gliederpuppcn, bei denen man sich an dem prächtigen 
Brokat und der mit Geschick dinchgeführten Bemalung schadlos halten 
muss. Zu diesen früheren gehört auch das Bild des trefflichen Herzogs 
Christoph (T 1568), auch noch scharf naturalistisch, aber doch von 
Deutsche 
Stein- 
sculptur. 
Stuttgart. 
Tübingen. 
 V ergl. die Abbildungen in den Jahresheftcn des WVürtemb. 
in Ileidvlol), Kunst d.  in Sclnvabcn. 
Alterth. 
Vereins,
        

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