Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644096
Vierles Knpifcl. 
Die Bil 
rlnerei von 1560 
1760. 
685 
Jahren 15G.4--l5S3, nachdem er ebendort schon früher (1558) an dem 
Prachtmonnment Franz I. betheiligt gewesen wart). Hier erkennt man 
schon in den derberen, kühleren Formen der schweren Architektur die 
inzwischen umgewandelte künstlerische Auffassung. Die auf den Ecken 
angebrachten Statuen der vier Tugenden sind ebenfalls schon sehr con- 
VGUlIlODEll, etwas zu schlank, aber in den Gewändern vorzüglich fein 
durchgeführt mit trefflicher Motivirung. Die ausgestreckt liegenden 
Marmorstatuen der Verstorbenen zeigen das Streben, die früher übliche 
Herbigkcit durch idealisirende Behandlung und durch eine gewisse 
lllanniehfaltigkeit der Bewegungen bei grosser Tüchtigkeit und Bestimmt- 
heit. der Naturauffassung zu mildern. In diesem Sinne sind sie sehr 
werthvoll und trefflich stylisirt. Die oben knieenden Erzstatuen derselben, 
voll sprechenden Ausdrucks, erscheinen in den reich durchgebildeten Ge- 
wändern etwas studirt und in den Bewegungen nicht unbefangen genug, 
sondern etwas äusserlich und gesucht. Sie kommen nicht mehr recht zum 
Beten, sondern es bleibt bei einem demonstrativen Gestus. Im Tech- 
nischen sind sie trefflich. Die kleinen Marmorreliefs am Sockel bewähren 
durch klare Anordnung und einfache Behandlung die Tüchtigkeit der da- 
maligen französischen Bildhauer in dieser Gattung. Conventioilell er- 
scheinen die auf den Ecken des Unterbaues angebrachten Erzbilder der 
Kardinaltugenden, überschlank, aber in den Gewändern vorzüglich fein 
durchgeführt. 
Zwei vo_n letzteren Figuren sind als Arbeiten des damals in Frank- 
reich vielbeschaftigteil ltalieners Ponzio ("Fvlaitrc Ponce") bezeugt, von 
dem es jetzt wahrscheinlich, dass er identisch mit dem als Poncc Jacquio 
öfter erwähnten Meister ist"). Sein frühestes, dort ausgeführtes Werk, 
das Grabmal des Prinzen Albert von Savoyen (um 1535), jetzt im 
Louvre, zeigt im Kopf der Statue eine gewisse naturalistische Scharfe, 
übrigens aber grosse Einfachheit und Ruhe in der Haltung. Vom Jahre 
1556 datirt die Grabstatue des Charles de Magny ebendort, ein trefflieher, 
fein aufgefasster Kopf; auch die Gestalt trotz des Panzers anmuthig leicht 
bewegt. Ferner von 1558 das Bronzerelief des Andree Blondel de 
Rocquenconrt, Gcneralcontroleurs der Finanzen unter Heinrich II., nicht 
gerade durch besondere Feinheit, aber durch lebendige Naturwahrheit 
anziehend. Sodann arbeitete er von 1559-71 an den liöiligsgräbern 
von S. Denis, und zwar sowohl an dem Denkmal Franz I. wie an dem 
Ponzio. 
 Comic de Lalmrdc, lu renaissance des arts, I. S. 
w") Vergl. den Katalog des Louvre, Moderne Sculpt. 
511.
        

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