Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644087
684 
Viertes Buch. 
wollen. Dem widerspricht aber die Inschrift, welche besagt, dass die 
Charitinnen mit Recht dies Herz, ihren ehemaligen Sitz, auf dem Haupte 
trügen. Ein zweites Distichon behauptet nicht minder wahrheitsliebend, 
dass die Königin dies Herz lieber in ihrem Busen bergen möchte. Mit 
demselben Rechte sagt Diana von Poitiers auf dem oben besprochenen 
Grabe ihres Gemals: "wie früher unzertrennliche und treueste Gattin im 
Ehebett, werde sie's dereinst auch im Grabe ihm sein." Für solche monu- 
mentale Dreistigkeiten War die lateinische Sprache eine tretfliche Aus- 
kunft. Wie sollte aber bei derartiger Verlogenheit die Kunst acht und 
wahrhaft bleiben? 
A nderes im 
Louvre. 
Gralnual 
Heinrichs H. 
Ausserdem besitzt die Sammlung des Louvre eine Anzahl von ein- 
zelnen Arbeiten dieses fruchtbaren und vielseitigen Künstlers. Die über- 
schlanken Holziignren der vier Kardinaltugenden, welche ehemals in 
S. Genevieve den Reliquienkasten der Heiligen trugen, sind bei grosser 
Zierlichkeit nicht ohne Willkür in den Gewändern und haben manierirte 
Köpfe. Dagegen gehört zu seinen treiflichsteu Arbeiten das Bronzerelief 
des von den Seinigen betraucrtcn todten Christus, das bei ziemlich starker 
Ausladung durch klare Anordnung, maassvoll edlen Styl und ergreifenden 
Ausdruck hervorragt. lllaiiierirter sind ebendort die Steinrelicfs von vier 
Tugenden mit den Marterinstrumenten, welche von einer Kanzel der ehe- 
maligen Angustinerkirehe stammen. XVeiter schreibt man ihm dort die 
Ueberreste vom Denkmal des Kanzlers Rene de Birague und seiner Ge- 
malin zu, Welches 1574 errichtet wurde. Die Dame ist nicht mehr im 
Gebet, sondern iu nachlitssigcrLage lesend dargestellt; auch das Schooss- 
hündchen darf nicht fehlen, um die Boudoirstinnnung zu. vollenden. Hier 
macht sich denn auch das bauschige Reifrock-Uiiiveseii breit, als Feind 
jeder plastischen Entfaltung der Formen. Aber auch jetzt noch liebt man 
es, gegenüber solchem genrehaften Lebensbilde den Kontrast des Todes 
in ungemilderter Schroifheit hervorzuheben. Der nackte, nur halb vom 
Leichentuch verhüllte Leichnam der Verstorbenen, skeletartig abgemagert, 
das lange Haar wirr und aufgelöst, ist von einer fürchterlichen Wahrheit, 
die dmch die Meisterschaft der Durchführung nur noch erschütternder 
wirkt. Dass übrigens das Bildniss jetzt die starke Seite der Plastik 
bleibt, sieht man ebendort an der Marmorbüste eines Kindes, vielleicht 
Heinrich III., das mit seinem unschuldigen Lacheln ganz naiv und liebens- 
"würdig aufgefasst ist.  Nicht minder trefflich ebendort die Alabaster- 
büstcn Heinrichs II. und Karls IX. 
Das Hauptwerk Pilons ist das Grabmal Heinrichs II. und der Katha- 
rina von Medici, welches letztere nach dem Tode ihres Gemals in der 
Kirche z  S. Denis errichten liess. Der Künstler arbeitete daran in den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.