Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644039
Viertes Kapißel. 
Die Bildnerei von 
1760 
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begleitet von zwei andren Genien. iVenn irgend Etwas, so bezeichnen 
solche hohle, prahlerische Allegorien den Verfall der Kunst. Welch eine 
Kluft: trennt dieses Denkmal von den edlen Gräbern der früheren Zeit, wo 
der Verstorbene in der Madonna und seiner Schutzheiligen Hut getrost 
einem besseren Leben entgegenschlummerte!  Nicht viel werthvoller 
sind die Statuen am Grabmale des Kardinals de" Monti, welches Julius III. 
um 1550 in S. Pietro in Montorio zu Rom setzen liess. Wirkungslos 
und in der Composition verfehlt ist endlich der grosse Brunnen auf dem 
Hauptplatze zu Florenz (1570) mit dem unglaublich lahmen, nüchternen, 
wasserscheuen Neptun. _ 
Weit lebensvoller und selbständiger eignet sich Giovanvzi da Bologna 
( 1524- 1608) i") aus Douay in Flandern die Kunstrichtung Michelangelrfs 
an. Zwar haben auch seine Gestalten .etwas zu Allgemeines in Formen 
und Ausdruck, aber sie sind meist prächtig bewegt, kühn hingestellt und 
mit grossem Sehönheitssinn und mehr Frische als bei den meisten Zeit- 
genossen durchgebildet. Sein Meisterwerk ist der eherne Merkur, der 
auf einem Windhauche durch die Lüfte getragen wird, jetzt in der Samm- 
lung der Uf f izie11. Giebt man ihm den allerdings wunderlichen chernen 
Windhanch zu, so ist das Werk wegen der Schönheit der Linien und der 
kecken Lebendigkeit wie Wegen der vollkommenen Durchführung eine der 
vorzüglichsten derartigen Leistungen der ganzen neueren Kunst. Ge- 
schickt und klar componirt, aber etwas zu unruhig im Umriss, und nicht 
frei von Manier in den Formen ist die berühmte Marmorgiuppe des Itaubes 
der Sabinerin in der Loggia de' Lanzi. (An der Basis sehr lebens- 
volle, wenngleich ganz malerisch behandelte Reliefs). Ebendort die 
Gruppe des Herkules, der den Nessus überwältigt, keck aufgebaut, aber 
in den Formen auch schon äusserlich. Verwandter Art ist im Saal des Pal. 
Vecchio die Marmorgruppe der Tugend, die das Laster besiegt. Alle 
diese Arbeiten können bei unleugbar grossem Talent doch die Gleich- 
gültigkeit nicht überwinden, mit der wir diesen etwas zu prunkenden 
Kraftaufwand betrachten. 
Dagegen gehören die Brunnencompositionen Giovannfs wegen der 
tretfiichen Gesammtanordnung und der lebensvoll dekorativen Wirkung zu 
den vorzüglichstcn ihrer Art. So der prächtige Oceanusbrunnen auf der 
Insel im Garten Boboli, besonders aber sein hleisterwerk auf diesem 
Gebiete, der 1564 errichtete Brunnen vor dem Pal. Pubblico zu Bologna. 
Wie frei und stattlich steht hier der Neptun! wie naiv und lebendig sind 
die Kinder, imd welch prächtige Linien bilden am Unterbau die Sirenen! 
(iiuv: 
-Bnl4 
 Nach Mm-inllris Abccedario wäre er erst 1529 geboren.
        

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