Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644025
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Viertes Buch. 
dagegen, dadurch nur noch mehr zu abermaligem Wetteifer mit Jener an- 
gespornt, fällt in neue stylistische Verirrungen. Nur wo sie mehr natu- 
ralistisch verfahren darf, wie im Portrait, erlangt sie noch immer glän- 
zende Erfolge. 
Von 
Michelangelo 
bis 
Beruiui. 
In Italien bewegt sich die Plastik während der letzten Deccnnien 
des 16. Jahrhunderts unverändert in den Bahnen, welche Michelangelo 
vorgezeichnet hatte. Nicht bloss italienische, auch fremde Künstler ström- 
ten immer aussehliesslicher nach Rom, um dort die Weihe des einzig gül- 
tigen Styles zu empfangen. Was die Fremden etwa an selbständigem Kunst- 
gefühlmitbrachten, suchten sie möglichst schnell zu vergessen. Sie hätten 
sich geschämt, nicht auf der Höhe der Zeit zu stehen. Dieser Umschwung 
war ein innerlich nothwendiger. Denn die Kunst hatte durch ll'[icl1elzi.11gclo 
eine so entschiedene Richtung auf das Grossc rmd Hohe erhalten, dass seinen 
mächtigen Formen gegenüber alles Bisherige klein und sehwäichlich erschien. 
Er hatte die menschliche Gestalt für seine Zwecke mit solcher Sicherheit 
und Bestimmtheit gehandhabt, hatte durch die kühnen Oontraste der Bc- 
wegimg ihr Leben so gesteigert, dass man Alles errungen zu haben 
glaubte, wenn man ihm nur die ausseren Kunstgriffc abgesehen hatte. 
Vor der bewussten Grösse seines plastischen Styles schien namentlich das 
malerisch Dilettantische, Welches den nordischen Werken bis dahin in 
ihrer Mehrzahl anhaftete, in Nichts zusammenzusinken. IGrinnern wir 
uns, dass nur selten, nur ausnahmsweise die früheren deutschen Meister 
zum Begriff des eigentlich plastischen Styles durchdrangen. Hier schien 
er nun in unübertreflieher Grösse errungen zu sein, denn selbst durch 
seine Irrthümer bestach er die Welt. S0 versuchte man nun durch Nach- 
ahmen sich dieselben Vorzüge anzueignen. Dass man aber auf solchem 
Wege nur einen ausseren Schematismus erlangt, wer hatte das gefürchtet? 
So musste es wohl dahin kommen, dass man in den meisten Werken dieser 
Epigonenzeit durch das Allgemeine der Formbildnng, durch eine abtrakte 
Leere der Köpfe erkaltet wird. 
Unter den jüngeren Nachfolgern Michelangelds gebührt dem als 
Baumeister indess bedeutenderen Florentiner Bartolonzmeo Anmzanali 
(1511-1592) hier ein Platz. Denn er gehört zu den manierirtesten 
Naehahmern des Meisters. Zu welch ruhmredigem Style die Sculptur 
damals sich bequemte, sieht man an dem Denkmale, welches der gelehrte 
Marco llflantova Benavides sich bei Lebzeiten (1546) durch Ammanati in 
den Eremitani zu Padna errichten liess. Unten Wissenschaft und Er- 
müdung, dann des Gefeierten Ehre und Ruhm, oben die Unsterblichkeit,
        

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