Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1644009
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Viertes Buch 
glücklicher wctteiferte Bandinelli mit der berühmten Pietas illichelangelds 
in den beiden Darstellungen desselben Gegenstandes, die man zu Florenz 
in der Annunziata und in S. Oroce sieht. Gleichzeitig und unbedeutend 
sind auch die Bilder der Tugenden an den Grabmälern Leo's X. und Cle- 
mens VII. in S. M. sopra Minerva zu Rom. Dies Denkmal hatte Bandi- 
nelli durch Intriguen dem Alfonso Lombardi, dem es schon versprochen 
war, weggenommen.  Die Statuen von Adam und Eva im Pal. Vecchio 
zu Florenz (1551) erheben sich nicht über das Niveau eines gewöhn- 
lichen Naturalismus. Das einzige leidliche Werk des Unleidlichen sind 
die marmornen Chorschranken des Domes, die er mit seinen Schülern 
und Gehülfen in der späteren Zeit seines Lebens ausgeführt. Sie sind mit 
88 in ganz flachem Relief dargestellten Figuren von Aposteln, Propheten 
und Heiligen geschmückt, die meistens einen klaren, einfachen Styl, gute 
Ausfüllung des Raumes und zum Theil eine ungezwungene, selbst edle 
Bewegung zeigen, im Ganzen aber doch einen sehr monotonen Eindruck 
machen.  
Giovauni 
dalPOpern 
Unter Baccids Schülern ist Gzbvanni dalf Opera, eigentlich Bandini, 
hervorzuheben, der bei der Ausführung der Ohorschranken betheiligt war 
und am Grabmal Michelangelds in S. Croce, das nach V asarfs Entwürfen 
(wrichtct ward, die charaktervolle allegorische Figur der Architektur ar- 
beitete, während Valerio Ciolz" die Sculptur, Baltisla Lorcnzi die Malerei 
und die Büste des Meisters schufen; das Ganze einfach und würdig. 
 
VIERTES 
KAPITEL. 
Die 
Bildnerei 
VOII 
1560 
bis 
1760. 
Grzsteigerk 
Thiitigkeit 
der Plastik. 
Durch Michelangelo waren die Gränzen und Gesetze der Sculptur er- 
schüttert, ihr Wirkungskreis aber bedeutend erweitert worden. Nachdem 
er einmal Werke geschaffen hatte, in deren Bewunderung Alles überein- 
stimmte, glaubte man fortan nur das Grösste und Höchste von der Plastik 
erwarten zu dürfen. Sie wird in den beiden folgenden Jahrhunderten in 
einer Weise in Anspruch genommen, dass an Blasse die Leistungen dieser 
Zeit den noch erhaltenen des Alterthums und des Mittelalters zusammen- 
genommen gleichkommen mögen. Auch an Begabung sind die Meister
        

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