Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643978
Drittes Ka 
1itcl. 
Italienische Bildncrei 
Jahrhundert. 
673 
Die Linien des zusammengebrochen daliegenden Körpers haben etwas 
grossartig "Unwillkürliehes in der Bewegung; der Körper ist herb und 
keineswegs anziehend, und der Kopf vollends hat etwas maskenhaft 
Manierirtes. Gleichwohl ist die Wirkung eine unmittelbar ergreifende, 
tragische. Sodann steht im Ohore des Doms zu Florenz die grosse 
Gruppe einer aus einem Marmorblocke, angeblich aus einem Kapital des 
Friedenstempels gearbeiteten Pietas: der todte Christus-inl Sehoosse der 
Mutter, von Nikodemus betrauert. Sie ist gewaltsam und gequält, ausser- 
dem unvollendet geblieben. Ihre Entstehung fällt zwischen 1545-1549. 
Die nur erst angefangene Apostelstatue im Hofe der Akademie von 
Florenz, interessant und bezeichnend für die heftige Art, wie Michel- 
angelo mit dem Meissel auf den Marmor losstürmte, um die in demselben 
schlummernde Gestalt zu befreien, wird dagegen wohl vor 1534, noch 
während seines Horentinisehen Aufenthaltes entstanden sein. Doch gehört 
sie gewiss nicht zu den 1503 für den Dom bestellten Apostelstatuen. Ein 
ideales Oharakterbild von herber Grösse ist die unvollendete Büste des 
Brutus in den Uf f izien (Kabinet des Hermaphroditen): ein Republikaner 
von abschreckend grandiosem und dadurch eben fesselndem Gepräge, der 
Knochenbau fast trotzig sich vordrtingend; genial erfunden wie eine phy- 
siognomische Divination. Schwerlieh hat dagegen Michelangelo seine eigne, 
übrigens treffliehe Bronzebüste, im Conservatorenpalast zu Rom, selbst 
geschaffen. Portraitdarstellungen vermied er wo es irgend anging.  
Bei Michelangelds Tode gab es kaum noch einen selbständig empfin- 
denden und schaffenden Bildhauer. Das Beispiel seiner dämonischen Sub- 
jektivität riss alle Zeitgenossen mit sich fort. Keiner, der nicht Spuren 
seines Einflusses trüge; die Mehrzahl gab sich ihm wehrlos gefangen. Die 
Motive gewaltsamer Bewegungen, kühner Gegensätze, welche er ausge- 
prägt hatte, wurden auf lange Zeit die idealen Zielpunkte-der Kunst; aber 
es fehlte sein hohes Liniengefühl, seine Gedankentiefe, es fehlte vor Allem 
jene innerste Nothwendigkeit, welche in seinen Schöpfungen uns sogar 
mit dem Abstosscnden aussöhnt. Die Grösse seiner Formbehandlung wurde 
bei den Nachahmern eitle Hohlheit und Oede; die Köpfe, schon bei ihm 
in den späteren Werken grösstentheils indifferent allgemein, wurden vol- 
lends seelenlose Masken. Die Plastik sank zu einer leeren Schaustellung 
ie Neu-l 
ahmer. 
prahlerischer Glieder herab. 
Am wenigsten Selbständigkeit zeigen die Künstler, welche unter den 
Augen des Meisters als Gehülfen bei seinen Arbeitenthätig waren. S0 
Rafael da Montelupo (e. 1503-0. 1570), jenes älteren Baecio da Mon- 
telupo Sohn, der ansser dem Damiail in der hledieeerkapelle auch am 
Grabmal Julius II. half. Von ihm sind daselbst die Statuen des Propheten 
Rafael du 
Montelupo. 
k e , Gesch 
der Plastik.
        

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