Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643936
Drittes Kapitel. 
Italienische Bildnerei im '14 
Jahrhundert. 
669 
(1522-1523) entstanden sein, welche Michelangelo, wie ausdrücklich 
bezeugt wird, zur Förderung der Arbeit am Grabe Julius II. benutzte. 
Von den beiden Sklaven des Louvre dagegen möchte ich nach der ganzen 
Anlage schliessen, dass sie noch bei Julius Lebzeiten gearbeitet wurden. 
In der Reihe seiner übrigen Werke ans der früheren römischen 
Epoche steht der marmorne Christus in S. M. sopra Minerva zu Rom 
obenan. Es ist eine vollendet edle, freilich mehr im Geiste der Antike 
vielleicht zu elegant aufgefasste nackte Gestalt, die später mit einem 
Bronzeschurz bekleidet wurde. Der Ausdruck des etwas allgemeinen 
Kopfes ist von ruhiger Milde; die Bewegung des zur Linken gewendeten 
Körpers contrastirt fein mit dem Kreuz, das er an der rechten Seite hält. 
Das Werk ist so rein und schön empfunden, dass Grimms Erklärung, 
es zeige bereits Manier, mir ungerecht scheint. Denn wir dürfen unsere 
Vorstellung vom Göttlichen nicht als Maassstab für ein Werk jener Zeit 
anlegen, der das Antike und Christliche in einen Schönheitsbegliä zu- 
sammenfloss. Die Vollendung des Werkes fällt ins Jahr 1521. Eher 
früher als später scheint das schöne unvollendet gebliebene Marm0rreliet' 
in den Uffizien zu datiren, welches in einem Medaillen die lllzidonna 
mit dem Christkinde und dem kleinen Johannes darstellt. 'l'retflich in 
istusbih 
Rum. 
den Raum geordnet, edel im Ausdruck und in den Linien, gehört es zu 
den reinsten, nbsiehtslosesten Schöpfungen des Meisters. Ein anderes 
Relief desselben Gegenstandes besitzt die Sammlung der Akademie zu 
Londonit) Wahrscheinlich gehört auch die angefangene Statue eines 
jugendlichen Apollo, der in den Köcher greift (Sammlung der Uffizien), 
noch in diese Epoche. Das Motiv der Bewegung ist von spreehendem 
Ausdruck.  
Wir kommen nun zur zweiten Ilauptarbeit seines Lebens, den 
Medieeergräbern in S. Lorenzo zu Florenz. Ende März 1520 trug 
Leo X. dem Meister auf, die neue Sakristei an S. Lorenzo zu erbauen 
und für dieselbe die Gräber seines Bruders Giuliano und seines Neifen 
Lorenzo zu entwerfen. Im April 1521 wird in Carrara ein Contrakt mit 
dortigen Bildhauern gemacht, welche sich verpflichten, binnen Jahresfrist 
eine sitzende Madonna für die Sakristei vor-Zuarbeiten. Es ist die noch 
dort befindliche, später zu" bespreehende Statue. Während der Be- 
lagerung seiner Vaterstadt, die er mit dem Eifer eines glühenden-Patrio- 
Gräber 4h 
Mediccor. 
4') Dies Relief habe ich trotz aller Bemühung ebenso wenig zu sehen bekommen 
wie den daselbst befindlichen Karton Lionardds. Beide Werke seien wegen der 
Vorbereitungen zur internationalen Kunstausstellung (1862) unsichtbar, hiess es. 
Wenn man abeif solche Schätze besitzt, dünkt mich, hat man die Verpflichtung, sie 
auch zugänglich zu erhalten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.