Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643893
Drittes Kapitel. 
Italienische Bildnerei im 1G. 
Jahrhundert. 
665 
und Lionardo da Vinci, ernannt werden konnte, um über die Aufstellung 
des David zu berathen. In demselben Sommer wurde die Statue vor dem 
Palazzo Veechio aufgestellt, wo man sie noch sieht. Es ist die meister- 
lich durchgeführte Akttigur eines nackten Hirtenknaben, dessen jugend- 
liches Alter und nnentwiekelte Formen einen Oontrast mit dem kolossalen 
Maassstab bilden. Daher vermag man bei dem Werke nicht zu einem 
reinen Genusse zu kommen, so trefflich auch die Charakteristik an sich 
gelungen ist. Wie bezeichnend erscheint namentlich das lässige Herab- 
hangen des rechten Armes mit der schweren schleudergewohnten Hand! 
und wie stimmt dazu der Blick des nach links gewendeten Kopfes! 
Um dieselbe Zeit hatte er diesen Gegenstand noch einmal in einem 
Erzbilde zu behandeln, welches die Stadt Florenz dem Marschall von Guise 
zu schenken beschlossen hatte, um durch ihn die Gunst und den Beistand 
Franz I. zu erlangen. Die Statue wurde 1508 fertig und nach Frankreich 
geschickt, wo sie verschollen ist. Noch waren beide Werke nicht voll- 
endet, als die Domverwvaltung dem Künstler die Marmorstatuen der zwölf 
Apostel für den florentiner Dom übertrug, die jedoch unausgeftihrt blieben, 
weil um diese Zeit Michelangelds Leben eine neue Wendung nahm. Kaum 
war nämlich Julius II. auf den päpstlichen Stuhl gelangt (1503), als er 
neben anderen grossen Künstlern, neben Bramante und Rafael auch 
Michelangelo berief, um ihn mit grossen Aufträgen zu betrauen. Es galt 
vor Allem ein Grabmal für den Papst zu entwerfen, und der Meister ergriff 
diese Gelegenheit mit Begeisterung, um die volle Macht seiner Kunst zu 
entfalten. 
Andere Auf- 
träge. 
 Er entwarf zuerst den Plan zu einem grossen Freibau, der für die 
Tribuna der neuen Peterskirche bestimmt wurdet). Im Innern sollte der 
Sarkophag des Papstes stehen; die Wände des im länglichen Viereck an- 
gelegten Baues sollten aber geschmückt werden mit den nackten Gestalten 
gefesselter Männer. Auf Vorsprüngen sollten Moses und Paulus und andre 
kolossale Statuenangebracht werden. Die Allegorie war hier schon eine 
subjektiv willkürliche; jene Gefesselten stellten die durch den Papst er- 
oberten und die durch seinen Tod in Bande geschlagenen Künste vor; 
Moses tmd Paulus waren gar als Vertreter des thatigen und des beschau- 
lichenLebens aufgefasst. Die allegorische Bedeutung war aber sicherlich 
Nebensache; die Belebung der freigeschaffenen künstlerischen Motive hing 
nur ansserlich damit zusammen, und als Ganzes wäre dies Grabmal eins 
der ersten Monumente der Welt geworden. Statt dessen wurde es, nach 
Eutwurfzxxm 
Grabe 
Julius II. 
der 
-1 6. 
ä") Ein skizzirter Entwurf in 
Vergl. rläßigzäzcourl, Scnlpt. Taf. 
Sammlung der 
Handzeichnungen 
zu Florenz.
        

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