Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637745
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sition. Sie weissnoeh weniger als die ägyptische ihre Darstellungsmiltel 
so zu (rrdnen, dass sie in festem architektonischem Rahmen einer Idee 
den entsprechenden, harmonischen Ausdruck verschaffen könnte. End- 
lich, was davon tmtrennbar erscheint, sie vermag wohl das lmtiir- 
bedingte Leben zu schildern, und zwar je naher der Natur, desto glück- 
licher im Gelingen, also vorzüglich im 'l'hie-rleben  aber der Mensch 
in seiner geistigen Freiheit und Ilcrrlitehkcit liegt ausserhalb ihres Ge- 
bietes, weil der Orient ihn ilberhttupt nicht kennt. 
Schliesslich haben wir noch einiger vorzüglicher Werke der plasti- 
schen Kleinkünste zu gedenken, deren tias Britische Museum eine an- 
sehnliche Sammlung aus den Nachgrztbungen von Nimrud und Kujjund- 
schik erworben hat. Zunächst eine Anzahl von bronzenen (lcwvichten 
verschiedener Grössc, sämmtlich mit assyrischen und phönizisehcn Schrift- 
charakteren bezeichnet, also Zeugnisse des lnhtndelsverkehrs beider Vol- 
kcrß Sie beweisen, dass die Bewohner von Ninive auch für die zum täg- 
lichen Gebrauch dienenden Gerathe eine kunstgeatlelte Form verlangten; 
denn ohne Ausnahme haben sie die beliebte Gestalt eines liegenden Löwen, 
an dessen Rücken die ringförmige Handhabe für den Gebrauch befestigt 
ist. Die Thiere sind mit ebenso feinem Naturgeftihl, wie mit Sinn für 
architektonische Haltung durchgeführt. Weiter liefern zahlreiche.bronzene 
Schalen den Beweis von der hohen Vortrefflichkeit assyrischer Erzbild- 
nerei. Theils zeigen sie auf den spiegelglatten Flachen bloss eingeritzte 
Ornamente, dann aber auch getriebene Reliefdarstellungen von schreiten- 
dcn Löwen, sowie von Jagdsceilen. Einmal sieht man geflügelte. Löwen 
mit Adlerköpfen, die nicht mit dem assyrischen Diadem, sondern mit dem 
ägyptischen Pschent geschmückt sind. Ist es eine Mahnung an die Siege, 
welche das babylonisch-assyrischc Reich unter Nebukatlnezar über 
Aegypten davontrug? Oder deuten sie, gleich anderen kleinen Kunst- 
werken, auf Einflüsse der ägyptischen Kultur? Letzteres wenigstens gilt 
mit Bestimmtheit von gewissen in Nimrud gefundenen Elfenbeinarbeiten, 
die nicht allein durch die prachtvolle Emaillcftilhuig in Gold und Blau, 
sondern auch durch Sphinxgestalten mit der hohen ägyptischen Königs- 
krone, dem Pschent, nach dem Nillande weisen. Jedenfalls sind in allen 
Epochen alter und neuer Zeit, vom uralten Theben bis zum mittelalter- 
lichen Byzanz und zum modernen Paris die beweglicheren Werke der 
Kleinkünste fremden Einflüssen mehr ausgesetzt gewesen, als die 
monumentalen Schöpfungen. Auch lasst sich annehmen, dass Aegyp- 
tens hochalterthümliche Kultur den asiatischen Ländern für die ver- 
schiedensten Gattungen künstlerischer 'l'echnik Lehrerin und Vorbild 
geworden ist.
        

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