Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643806
656 
Buch. 
Viertes 
Arbeiten desselben in S. Antonio den späteren Meister zum Wetteifer 
gereizt haben.  
jl Von den übrigen Reliefs der Kapelle gehört das erste noch der 
früheren Zeit an. Es soll 1512 von Antonio Wlinelli (Zi Bardi gearbeitet 
werden sein. Zu den einfachsten und edelsten der ganzen Reihe gehörend 
zeigt es eine Schönheit der Formen und des Ausdrucks, die auf einen von 
Andrea Sansovino inspirirten Florentinerschliessen lasst. Dagegen sind die 
übrigen vier Reliefs unter dem Einflüsse J ac0po's entstanden. Das zweite 
schildert mit höchster Leidenschaft derBewvcgung, wie der Heilige eine von 
ihrem eifersüchtigen Gemal ermordete Frau ins Leben zurückruft. Es soll 
von Zuan jVlaria aus Padua begonnen, von Paolo Slella vollendet werden 
sein. Eins der tüehtigsten ist sodann das achte, so schwer es auch dem 
Besehauer fallen wird, darin zu erkennen, dass ein gewisser Alcardino 
durch ein aus einem Hause herabgeworfenes und nicht zerbroehenes Glas von 
der Wunder-kraft des Heiligen überzeugt wird. Der Künstler (man nennt 
Danese Cattaneo oder Paolo Pelzwd) hat sich bewundernswürdig zu hel- 
fen gewusst und dem Vorgang eine dramatische Seite abgewonnen, ohne 
in Uebertreibung zu fallen. Vielmehr gehört seine Arbeit in Adel und 
Freiheit der Durchbildung, besonders auch im schönen Styl der Ge- 
wänder zu den vorzügliehsten der ganzen Reihe. Zu den einfacheren 
und edleren zählt auch noch das fünfte Relief, welches die Erweckung 
eines Jünglings von Tode schildert. Freilich neigt es ebenfalls schon 
zu überstarkcr Ausladung und übertriebener Heftigkeit des Ausdrucks. 
Ueber den Künstler ist man ebenso ungewiss wie bei dem vorigen. 
Dagegen lernt man einen der vorzügliehsten Schüler Sansovinds in 
dem dritten Relief kennen, abermals einer Todtenerweckung, durch die 
Inschrift als Werk des Veronesers Girolamo Campagna bezeichnet. 0b- 
wohl nicht frei von Härten, sind Anordnung und Linienführung echt pla- 
stisch und die Gestalten schön und lebensvoll durehgebildet. Im Ganzen, 
muss man gestehen, hat die Plastik in diesem Kampfe mit dem Unsinn 
solcher Legendenstotfe sich ruhmvoll bewahrt und das Mögliche dem 
spröden Gegenstande abgerungen. 
Dem Campagna begegnet man auch in Venedig an mehreren tüchti- 
 gen Arbeitenf") Für S. Giorgio maggiore schuf er die lürzgruppe 
des Hochaltars, Christus auf einer von den Evangelisten getragenen Erd- 
kugel, eine bei aller Trefflichkeit der Ausführung doch in plastischer 
Hinsicht höchst unglückliche Idee, die stets eine Vorstellung von akrobati- 
Ü Das Einzelne s. bei J. Ihn-cklwrrll, 
liehen Daten bei Mothes II. 260 H". 
Cicerone. 
Die geschicht-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.