Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643731
Drittes Kapitel. 
Italienische Bildnerei im 16. 
Jahrhundert. 
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Zeit datirt dann wohl in S. Domenieo die Begegnung Christi mit Martha 
unönMaria, eine Arbeit, in welcher sich Einflüsse des römischen Idealismus 
mit dem noch immer anziehenden Naturgefühl des Meisters berühren. 
Im Jahre 1559 wurde Begarelli nach Mantua berufen, WO er viele 
Statuen für die Kirche S. Benedetto ansführte. Ob dieselben noch vor- 
banden sind, vermag ich nicht anzugeben. Noch später (bis 1561) arbei- 
tete er in Parma für die Kirche S. Giovanni die Statuen der Madonna. mit 
Heiligen, die man im Kloster daselbst sieht, und welche die Vorzüge und 
Schwächen seines Styles vereint zeigen. 
Parma besitzt ausserdem einige werthvolle Arbeiten dieser Zeit in 
mehreren Bleldherrngrabern der Steccata, von der Hand des Giov. Fran- 
cesco da Grado. Besonders die Gestalten der Verstorbenen sind anspruchs- 
los in edler Lebenswahrheit aufgefasst.  
Ausserdem ist hier nochmals der ausgedehnten plastischen Arbeiten 
zu gedenken, mit denen auch das 16. Jahrhundert fortfuhr, an der Aus- 
schmückung der Certosa bei Pavia (vgl. S. 512) sich zu betheiligen. Die 
zahlreichen Statuen der Facade zeigen meist eine etwas scharfe Behand- 
lung in den Gewändern und nur selten ein höheres Lebensgefühl. Als 
Urheber derselben werden unter Anderen Angela Jllarini und Siro Siculi 
genannt. Tretflieh ist die Medaillonreihe mit Portraitköpfen am Sockel, 
die zum Theil dem Agostmo B-ztsti, genannt Bambaja, dem [Vlarco Aurelio 
Agrate und dem Giacomo della Purla zugeschrieben werden. Die grösse- 
ren Reliefs sind, wie meistens zu dieser Zeit, in Marmor übertragene Ge- 
mälde. Kleinere Medaillonreliefs dagegen, sowie Büsten und Köpfe, die 
überall mit verschwenderischer Hand ansgetheilt sind, haben oft eine be- 
mmdernswürdig miniaturartige Feinheit der Ausführung bei einfachster 
Anordnung.  Auch fallt erst in den Schluss dieser Epoche (1562) die 
Vollendung des prachtvollen Grabmales Giangaleazzo Viscontfs (vgl. S. 512), 
an welchem eine Anzahl von Künstlern thätig waren.  
Mehrere von den an der Certosa beschäftigen Bildhauern findet man 
wieder zu Mailand. Von Bambaja war das Grabmal des Gaston de Foix, 
das jetzt zerstreut ist, und von welchem sich einzelne Theile in der Am- 
brosiana und der Brera befinden. Von ihm sieht man auch in einer Kapelle 
des Doms das zierliche Marmorrelief einer Darstellung im Tempel"). Dem 
zWarco Agrafe begegnet man ebendort in der grass realistischen Schauer- 
gestalt eines völlig geschundenen h. Bartholomäus. Mit naivem Selbstge- 
fühl wird am Sockel ausdrücklich versichert, nicht Praxiteles, sondern 
M. Agrate habe dies Werk gemacht. Endlich ist noch Clzrisloforo Solario 
Gräber in 
Parma. 
Certosa bei 
Pavia. 
k) A1 
dieser Arbeiten bei Cicognara, 
76 FF.
        

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