Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643573
Drittes Kapitel. 
Italienische Bildnerci im 16. 
Jahrhundert. 
633 
dem Deckel ruhende 
Behandlung. 
Gestalt 
des 
Verstorbenen 
scheint von 
grossartiger 
DRITTES 
KAPITEL. 
Italienische 
Bildnerei 
im 
Jahrhundert. 
Ueberblickt man im Ganzen die plastischen Leistungen des '15. Jahr- 
hunderts, so kann man nicht leugnen, dass die Bildnerei jener Epoche im 
Norden der Malerei entschieden überlegen war, und dass sie in Italien 
wenigstens mit Erfolg gegen die begünstigtere Schwesterkunst in die 
Schranken trat. J emehr aber die Malerei von der Sculptur lernte, desto 
sicherer musste sie dieselbe überflügeln. Was im christlichen Zeitalter ihr 
die erste Stelle einräumte, ist früher schon erörtert worden; als sie nun 
um den Beginn des 16. Jahrhunderts, im Wetteifer mit der Plastik und 
gefördert durch dieselbe, sich zu freier Entfaltung der Form und zu höcl1- 
ster Vollendung aufgeschwnngen hatte, war der Zeitpunkt gekommen, wo 
die meisten und die grössten Aufgaben ihr wie von selbst zufielen, und die 
Bildnerei sich mit engeren Schranken begnügen musste. Namentlich ging 
die Ausschmückung der Altäre fast ohne Ausnahme in die Hände der Ma- 
lerei über, und nur die Grabdenkmale blieben auch fortan der vornehmste 
Schauplatz für die Thätigkeit der Plastik. 
Aber in diesen engeren Grenzen erobert sich die Bildnerei a") ein um 
so grösseres Maass von Freiheit der Bewegung. Hatte in der vorigen 
Epoche die jugendliche Architektur der Renaissanceiihr gern und sorglieh 
die Stätte für ein wirksames Eingreifen in die Gesammtcomposition berei- 
tet, so musste die strenger und ernster gewordene Baukunst jetzt noch aus- 
gedehntere Ooncessionen machen, wenn sie sich die Mitwirkung der Plastik 
gewinnen wollte. Je selbständiger aber letztere wurde, desto weniger 
mochte sie sich dem Maasse der Architektur anbequemen, und so bereitete 
sich in dieser Epoche immer mehr die Auflösung des alten Bündnisses vor; 
beide Künste lcrntcn auf einander verzichten, gingen ihre gesonderten 
Engere 
Begriinzung 
der Plastik. 
Grössere 
IPreiheit. 
w) Auch für diese Epoche muss ich vorzugsweise auf Jac.  "Cine- 
rone" (S. 637 -689) verweisen, der wie immer in gedrängtester Darstellung den 
Stoff erschöpfend behandelt.
        

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