Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637714
Drittes Kapitel. 
Das mittlere Asien. 
Zu grossartiger Wirkung, ja zu dramatischer Bedeutung steigern 
sich die Löwenjagdcn. Die königlichen Thierc sind in all ihrer majestä- 
tischen Gewalt und Schönheit unübertrlelflich wahr geschildert, und ihr 
Kampf gegen die überlegene Macht des Menschen, der uns durch alle 
seine Stadien bis zum heldenmässigen Unterliegen vorgeführt wird, ge- 
winnt fast einen tragischen Ausdruck. Die Löwen sind die einzigen Ilerocn 
der assyrischen Kunst. Gewöhnlich aber werden sie uns nicht mehr in 
der Wildniss, sondern im Zwinger des fürstlichen Jagdgeheges gezeigt. 
Die Wärter ziehen die Riegel auf und die gefangenen Könige (ler Wüste 
brechen mit Gebrüll hervor, ihren Feind suchend. Dort hält der Herrscher 
mit seinem Gefolge auf klugen, feinen, elastischen Rossen. Der Löwe 
duckt sich zum Sprunge, und Ross und Reiter stehen wiie gebannt, des 
Angriffs gewitrtig. Unvergleichlich wahr und lebendig sind nun die fol- 
genden Scenen geschildert, die stets mit dem Untergange des herrlichen 
Thieres enden. Dort hat sich der Löwe mit Blitzesschnelle auf das Pferd 
gestürzt und sich in dessen Hals eingekrallt; aber vom Könige gewaltig 
an der Kehle gefasst, empfängt er im Nu den Todesstoss. Ein andrer 
Löwe stürzt mitten im Sprunge, von einem Pfeile durch den Kopf 
getroffen, zu Boden tuld streckt verendend die (ilieder. Solche Seeneil 
werden mit immer neuen Aenderungen stets lebenswahr lllld ergreifend 
vorgeführt. Da liegt ein todter Löwe auf dem Rücken und senkt die ge- 
waltigen Tatzen; dort streckt eine Löwin die mächtigen Glieder im 'l'odes- 
kampfe und reekt sich mit breehender Kraft halb empor, mit einer YVahr- 
heit des Ausdrucks, dass man das Sehmerzensgebriill zu hören glaubt und 
von Mitleid ergriffen wird. Ein andrer Löwe hebt todeswund den Fuss 
und leckt sieh die Tatze, wobei diese in der perspektivischen Dztrstelhmg 
der Unter-flache meisterlich behandelt ist; dort schleppt eins dieser präch- 
tigen 'l'hiere sich mit letzter Anstrengung fort, aber ma.n sieht, dass mit 
(lem Blutstrom, der aus seinem Sehlunde hervorbricht, das Leben ent- 
tlieht. Solcher Zuge liessen sich noch manche nicht minder treffende an- 
führen.  Dann erleben wir die Heimkehr von der Jagd. Rasche Maul- 
thiere, mit Netzen und anderm Jagdzerlg bepackt, schreiten in der Mitte 
der Jäger. Es folgt ein Zug von Männern, welche die getödteten Löwen 
auf ihren Schultern tragen. Sie legen dieselben vor dem Könige nieder, 
der mit seinen 'l'ra,bantlei1 sie erwartet und, vor einem "Altare stehend, 
über die am Boden hingestreekten'l"hiere eine Libation ausgiesst. lllusiker 
schlagen dazu die Harfe, während die Jäger mit aller Gewalt die Jagd- 
hunde zurüekreissen müssen, die sieh auf das Wild zu stürzen (lrohen. 
'30 ist überall Leben und Bewegung. 
Endlich sehen wir denn auch den König, wie er von seinen 'l'haten
        

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