Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643520
628 
Viertes 
Buch 
vier Marnxorreliefs mit der Geschichte Susannzfs; das Ganze ein Prunkstück 
Plastik ir 
England. 
Tewkesbury. 
West- 
minster. 
Taufbecken 
(irablniiler. 
 Gräber in 
West- 
minster. 
ersten Ranges.  
In England, wo die Bildnerei im Laufe der vorigen Epoche zwischen 
starken fremden Einflüssen und schwachen selbständigen Versuchen 
schwankte, scheint man sich mehr und mehr von der Unfähigkeit, zu einem 
charaktervollen eigenen Style durehzudringen, überzeugt zu haben. Man 
findet es bequemer, fremde Künstler herbeizuziehen und diesen die bedeu- 
tenderen Aufgaben zu übertragen. Wie Hans Holbein in der Malerei, so 
beherrschten andere auswärtige Künstler in der Plastik das Feld. Wo 
wir dies durch bestimmte Namen und Daten nicht erhärten können, liefert 
der Charakter der Kunstwerke selbst den klarsten Beweis.  
Ein später Nachklang mittelalterlicher Behandlungsweise sind die 
Reliefs der Abteikirche von Tewkesbury, die bei deutlich hervorbre- 
ehender Auflösung des alten Styles doch in Bewegung und Gewandung 
noch germanische Motive verrathen. Sodann spricht sich mit grosscr Be- 
stimmtheit der Einfluss der gleichzeitigen deutschen Kunst in den Engel- 
und Apostelstandbildern der von 1502-1509 erbauten Kapelle Heinrichs 
VII. in Westminster aus. Aber auch früher schon, in den letzten De- 
cennien des 15.J ahrhunderts, begegnet uns derselbe Einfluss an mehreren 
reliefgeschniückten Taufbecken. Eins der schönsten, etwa um 1470 
entstanden, ist das der Kirche zu Wals in gh am in Norfolk. Es enthält 
an seinen acht Seiten die Kreuzigung und die sieben Sakramente in rei- 
zenden, lebendig durchgeführten Darstellungen voll geistreicher Frische. 
An Feinheit und Anmuth stehen sie den zierlichsten schwäbischen Arbei- 
ten dieser Art nahe. Aehnlichen Taufsteinen begegnet man in den Kirchen 
zu East-Dereham (14.68) und Worsted, beide in Norfolk. 
Für die Grabdenkmäler kommen die gravirten Erzplatten auch hier 
in dieser Epoche mehr und mehr in Gebrauch. Die meisten Arbeiten dieser 
Art scheint man aus den Niederlanden erhalten zu haben. Unter den 
umfangreicheren Monumenten steht das oben (S. 439) besprochene War- 
wiek-Denkmal, das noch in den Anfang dieser Epoche hineinreicht, als 
eins der praehtvollsten an der Spitze. Aus der Frühzeit des 16. J ahrhun- 
derts (um 1509) datirt dann das rnarmorne Grabmal des Sir Giles Daubeny 
in Westminster. Es stellt den Ritter nach herkömmlicher Weise im 
Panzer steif ausgestreckt dar, die Hände zum Gebet gefaltet. Der Kopf 
ist gut und einfach, dabei charaktervoll behandelt. Bedeutender-jedoch 
sind einige andere Denkmäler daselbst, welche von dem Florentinei- Pietro 
Torrigiano ausgeführt wurden. Dieser hatte als Mitschüler von Michel- 
angelo und anderen Zeitgenossen im Garten der Medici den Unterricht 
Bertoldds, des Schülers Donatellds genossen. Da er einst aber im Jahzoril
        

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