Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643477
Zweites Kapitel. 
Nordische Bildnerei von 1450 
1550. 
623 
des 15. Jahrhunderts an. Vom Anfange des folgenden stammt dann das 
lilarrnorrelief des h. Georg, der den Drachen besiegt, 1508 von [Wickel 
Colombe ausgcführtii). Es ist etwas steif und sehwerfallig, dabei malerisch 
componirt. Völlig hart und unerfreulich tritt der Realismus der Zeit, durch 
Bemalung noch verstärkt, an den knieenden Statuen des Philipp von G0- 
mines (T 1509) und seiner Gcmalin auf, Welche aus der Kirche der Augusti- 
ner in das Museum übergegangen sind.  
Zu den schönsten Werken dieser Art gehören dagegen die Grabmaler, 
welche Margaretha von Oesterreieh nach 1504 in der Kirche zu Brou für 
sich, ihren Gemahl Philibert von Savoyen und ihre Schwiegermutter Mar- 
garetha von Bourbon ausführen liess. Reichthum der Anordnung, zier- 
liche Pracht der Ausführung und edle Charakteristik der Gestalten verbinÄ 
den sich Llarin zu seltener Wirkung. Neben italienischen und französichen 
Künstlern werden auch zwei Schweizer, Konrad und Thomas Illeyr, als 
ausführende Bildhauer genannt. Eine originelle Verschmelzung gothischer 
und Renaissanceformen von hoher dekorativer Pracht zeigt das Grabmal 
im Chor der Kathedrale von Rouen, welches (ler Kardinal Georg von 
Amboise sich und seinem gleichnamigen Oheim nach 1510 errichten liess. 
Meister Roullavzt de Roux soll es mit mehreren Gehülfen ausgeführt haben. 
Die beiden lebensgrossen Gestalten knieen in langfaltigen Prachtgewandern 
auf einer schwarzen, von Konsolen getragenen lllarmorplatte. Der ältere, 
ein bedeutend aufgefasstes brutales Pfaffengesicht, der jüngere ebenfalls 
widerwartig, aber voll energischen Lebens, Beide in pomphaft bauschigen 
Mänteln. Unter den Konsolen sind Pilaster und dazwischen Nischen mit 
sitzenden Statuen von Tugenden, Alles von grossem dekorativen Reiz, 
aber die Figuren ungleich, mehrere mit trefflich stylisirten Gewändern, 
andere etwas unruhig gcknittert. So sind auch die Köpfe nur zum Theil 
glücklich belebt, andere dagegen blöd und befangen. Die prachtvoll in 
Gold und Farben strahlende Rückwand zeigt S. Georg und andere Hei- 
lige, ebenfalls von imgleichem Werth. Die Wölbung ist mit reizenden 
vergoldeten Kassetten geschmückt, und über ihr steigt eine reiche Bekrö- 
nung auf n1it Statuetten in Nischen und zierliehem Kinderfriese, alles in 
spielenden Renaissaneeformen, die auch an den luftigcn-Pyramidenspitzen 
wiederkehren, mit denen dies üppige Prachtstück in gothisirender Vleisc 
abschliesst. 
Einer der vorzüglichsten französischen Bildhauer dieser Epoche ist 
Jean Jzoste. Von ihm sieht man in der Kathedrale seiner Vaterstadt 
Tours ein kleines Marmorgrab zweier früh (1495 und 1496) verstorbener 
Gräber in 
Brou, 
in Rouen. 
Vergl. 
Henry Barbel (lq Jouy, 
d escr. 
des sculpt. 
mod. 
(Paris 1855) S.
        

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