Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643411
Zweites Kapitel. 
Nordische Bih 
lncrei von 
1450 
X550. 
617 
trifft man Züge von höchster Leidenschaftlichkeit und Kühnheit, in den 
grossen Ceremonienbilden: e1freut, neben der verständigen Anordnung, 
eine Fülle von zierlichen Details.  
In den übrigen Ländern. 
Neben 
Deutschland 
treten 
anderen 
Länder 
des 
Nordens 
der 
Entwicklung der Plastik dieser Epoche minder bedeutend hervor. Zwar 
müssen wir zugeben, dass unsere Kenntniss der betreffenden Kreise mangel- 
hafter ist als die der Heimat: gleichwohl lässt sich die Tllatsache einer 
mehr vereinzelten Pflege der Plastik in den Nachbarländern nicht leugnen. 
Am meisten leistet noch immer Frankreich. Aber es fehlt viel 
daran, dass wir hier den Eindruck einer so regen volksthümlichen Ent- 
wicklung der Kunst empfingen, wie die gleichzeitige (leutsche Bildncrei 
sie darbot. Diemit der Ausbreitung der königlichen Macht in gleichem 
Verhältniss fortschreitende Concentration des Lebens, die durch Karl VII. 
und besonders durch Ludwig XI. vollendet wurde, bahnte auch für die 
Kunst jene Ccntralisation an, die alle freieren nationalen Impulse zerstörte 
und das künstlerische Schaffen in die Sphäre des Hoflebens hincinzog. 
Damit ging die Aufnahme der italienischen Renaissance, die besonders 
durch Franz I. gefördert wurde, Hand in Hand. Auch hierbei war es 
wieder bezeichnend, dass die neue Auffassung nicht wie in Deutschland 
den einheimischen Künstlern auf mancherlei Wegen durch eigenes Suchen 
und Streben zutloss, sondern dass der prachtliebende König Kunstxrerke 
in Italien bestellte und ankaufte, mehr noch (lass er eine Anzahl italieni- 
scher Meister nach Frankreich berief. Denn während die deutschen 
Künstler unbefangen die fremde Form mit der heimischen Empfindung 
durchdrangen und Beides in phantasievoller Weise zu einem neuen Style 
verschmolzen, wurde nach Frankreich einfach die fremde Kunst als ein 
fertiges Produkt importirt, das sich zwar in der Architektur zu einem 
Compromiss mit den Gewohnheiten und Anschauungen des Landes ver- 
stehen musste, in der Plastik und Malerei dagegen mit der ganzen Selbst- 
gefälligkeit einer formell überlegenen Bildung sich aufdrängte. Um aber 
diese Verhältnisse in ihrem tieferen Grunde zu begreifen, muss man sich 
erinnern, dass schon im Ausgang der vorigen Epoche (vergl. S. 424) 
niederländische Künstler es waren, welche in Frankreich den Styl der 
Sculptilr bestimmten, sodass also der originale Kunstgeist des Landes 
wirklich sich in der grossen Epoche des frühgothischen Styles auf Jahr- 
hunderte erschöpft zu haben scheint. Noch vollständiger War dies in der 
Malerei der Fall, die mit Ausnahme der Glasgcmalrlc und der Miniaturen 
"in Frankreich keine ilennenswerthe Blüthe bis ins '16. Jahrhundert hinein 
Französische 
Plastik.
        

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