Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643404
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Viertes 
Statue  des 
Kaisers. 
Die vier 
Tugenden. 
Reliefs 
3D) 
Sarkophag. 
viel für sich.  Endlich kann ich am wenigsten glauben, dass die Erz- 
statrle des im Gebet knieenden Kaisers auf dem Deckel des Sarkophages 
von einem Italiener (man nennt Lodovico Scalza de! Duca) und zwar 
erst 1582 gearbeitet worden sei. Dies edle Werk in einfach schönem 
Styl, mit dem rührenden Ausdruck innigen Gottvertrauens, hat so sehr 
das Gepräge deutscher Empfindung, dass mindestens das Modell oder die 
Vorlage dazu von deutscher Hand herrühren muss. Wenn dagegen Hans 
Lendenslrauch um 1572 die vier Erzgestalteir der Kardinaltugenden ge- 
gossen hat, die auf den Ecken des Sarkophagdeckels sitzen, so weisen 
diese umgekehrt auf einen durch italienische Einflüsse geschulten Künstler, 
obwohl damals in Italien selbst eine so feine, so wenig manieristische Be- 
handlung zu den Ausnahmen zählte"). 
Endlich "sind noch die Marmorreliefs zu erwähnen, welche den Sar- 
kophag schmücken. Die ersten vier werden als Werke der Kölner 
Meister Gregor und Peter Abel bezeichnet; die übrigen zwanzig arbeitete 
Alexander Colin aus Mecheln bis 1566. Sie schildern mit grosser Aus- 
führlichkeit und in völlig malerischer Anordnung Scenen aus dem Leben 
des Kaisers, Schlachten und Belagerungen, Bündnisse, Hochzeiten, sowie 
andere Haupt- und Staatsaktionen. Besonders die Arbeiten Colins zeichnen 
sich durch virtuosenhafte Meisselführtmg, durch miniaturartige Feinheit 
und Zierlichkeit aus; auch lässt sich nicht leugnen, dass dem Reichthiun 
der Anordnung die Mannichfaltigkeit der Gestalten, die feine Charakteristik 
der Köpfe gleich kommt, in denen Portraitwahrheit und scharfe W ieder- 
gabe der verschiedenen Nationalitäten trotz des winzigen Maassstabes 1nit 
geistreicher Lebendigkeit hervortreten. Aber es liegt im Wesen des 
malerisch behandelten Reliefs, dass es einen acht plastischen Eindruck 
nimmer machen kann, und dass es bei Aufgaben dieser Art in gar zu 
breite Redseligkeit verfallen muss. Immerhin ist doch die realistische 
Treue lmd die frische Lebendigkeit, die hier Tausende von winzigen Ge- 
stalten durchdringt, aller Anerkenntmg werth. In den Schlachtscenen 
 Wirklich geht aus den archivalisehen Notizen, die ich Herrn igclwenherr ver- 
danke, hervor, dass Kaiser Max schon 1516 durch Gilg Sesslehreiber geformt war, 
wie denn die Vorlage für den Mantel schon 1508 in Antwerpen bestellt wurde. Das 
Bild scheint aber zwei oder gar drei Mal gegossen worden zu sein. Denn 1553 
übernahm Gregor Löffler es für 300 fl. zu giessen; 1570 kam Lendenstra-uclz von 
München, "um das grosse Bild und die Virtutes zu giessen"; 1582 wurde rlel Duca 
zum „Umguss" desselben aus Italien verschrieben. Er erhielt dafür 450 Kronen. 
Geformt wurden aber die Tugenden sowohl wie der Kaiser, letzterer für 150 5., 
von Alexander Colin. Also hat, wie ich vermuthete, der Italiener nichts als den 
Guss besorgt.
        

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