Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643371
Zweites Kapitel 
Nordische Bildnerei von 1450 
550. 
613 
Inventar zu Mühlau aufgenommen, in welchem damals von den Stand- 
bildern sechs als gegossen, drei als geformt, drei als geschnitten aufge- 
führt werden. Alle diese sind ausdrücklich als Werke Sesslsehreibers 
bezeichnet. Der Reihenfolge nach sind es König Philipp, Kaiser Rudolph, 
Erzherzog Ernst, Thcobertus, Margaretha, Ferdinand von Castilien, 
Kunigunde, Eleonore, Maria von Burgund, Kaiser Friedrich III., und die 
einstweilen unter den vorhandenen Statuen nicht sicher nachzuweisenden 
König Ladislaus und „Graf Meinhards Tochter". Aber in einem späteren 
Verzeichnisse werden auch noch andere, namentlich Zimburga, Karl der 
Kühne, Philipp der Gute und Elisabeth als Arbeiten Meister Gilg's be- 
stätigt, sodass derselbe bei mehr als der Hälfte derKolossalbilder als 
Urheber, und nicht bloss als Giesser bezeugt ist. Selbst die Statue Kaiser 
Maximilians war 1516, von seiner Hand geformt, schon vorhanden. Da 
er also jedenfalls der Hauptmeister des Werkes war, so haben wir in 
diesem bisher wenig bekannten llleister Gilg einen sehr tüchtigen Künstler 
anzuerkennen. Dagegen ist von Gregor Löffler, den man früher für den 
Hauptmeister des Werkes hielt, nur bekannt, dass er Kanonen und 
Glocken, später auch die Statue des Kaisers und im Jahr 1549 das 
elegante von Christoph Ambergcr in Augsburg entworfene Standbild Chlod- 
wig's gegossen hat. 
Prüft man nun die Bilder selbst, so ragen an einfacher Schönheit die 
oben angeführten des Königs Arthur (Fig. 192) und 'l'l1e0d0richs, sodann 
Leopold III. und lllargaretha (letztere als Arbeit Meister Gilgs be- 
zeugt) über alle anderen hervor. Sie werden sammtlich zu den frühesten 
Arbeiten gehörenH). Von den übrigenißw) sind vor Allem die weiblichen 
Gestalten durch stille Anmuth und ruhigen Fluss der Gewänder ausge- 
zeichnet; in erster Linie die Königin Maria Blanca vom Jahre 1525, dann 
Eleonore (Fig. 193), Johanna von Castilien (1528) und Kunigunde, 
sänimtlich durch schlanke Formen und meistens durch prachtvolle Aus- 
führung der Damastgewiränder hervorragend. Etwas gespreizt und in ge- 
suchter bauschiger Anordnung des Mantels, dadurch phantastisch schwer- 
fällig in der Erscheinung ist Zimburga; schlichter, aber auch nüchterner 
Königin "Elisabeth von Ungarn (1529) und Maria von Burgund.  Unter 
Die 
Standbilder. 
 Ueber Gregor und die übrigen Mitglieder seiner Familie urkundliche Nach- 
richten im K. K. privil. Bothen von und für Tyrol. 1825. Stück 29 ff. 
M) Für die Nlargaretha wird diese Vermuthung bestätigt durch das erste In- 
ventar, welches sie 1513 als "visirt" aufführt; für Arthur und Theodorich durch die 
inschriftliche Jahrzahl 1513.  
i") Sämmtliche Standbilder sind in tüchtiger Auffqssung gez. von J. G. Scherller 
und gcst. von C. Eichler und C. Sclzleiclz Innsbruck, (F. Unterberger) erschienen.
        

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