Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643333
Zweites Kapitel. 
Nordische Bildnerei von 1450  
1550. 
609 
dem IßIinde vom Jahre 1530; huldvoll und von schönen reichen Formen, 
die Gewandung in grossen Massen angeordnet und lebendig bewegt, sodass 
hier noch entsehiedner der läuternde Einfluss italienischer Kunst sich in 
der Formgebung offenbart. 
Dies Denkmal erscheint um so wichtiger, als es einen Anhalt ge- 
währen kann für die Aufhellung der hhltsteluulgsgeschichte eines andern 
Werkes der Visehersehen Hütte. Es ist das Monument des Kurfürsten 
Johann Cicero, ehemals in der Kirche zu Lehnin, jetzt im Dom zu BGYllIläi). 
Dasselbe besteht aus zwei Theilen, einer unteren Platte, die in meister- 
haftem Flachrelief die Gestalt des Verstorbenen enthält; darüber auf sechs 
Pfeilern ruhend der Sarkophag, der nochmals in Hochrelief die Gestalt 
des Kurfürsten enthält, letztere aber an Adel der Form und Feinheit des 
Lebensgefühls der ersteren merklich nachstehend. Der Styl der Bildwerke 
und der architektonischen Glieder weist die untere Platte etwa in die Zeit 
des Sebaldusgrabes, das obere Werk dagegen in eine spätere Epoche. 
Von der unteren Platte spricht ein Brief Peter Vischers aus dem Jahre 
1524, in welchem der Meister dem Kurfürsten Joachim I. den Empfang 
von 200 Gulden bescheinigt und das Grabmal, über welches der Fürst in 
seiner Giesshütte mit ihm gesprochen, anzufertigen zusagt, wenn man ihm 
eine Zeichnung der Tafel, deren Form und Stellung ihm „ aus der Acht" 
gekommen sei, zuschicken wolle. Nach alledem scheint der unteren Tafel 
wirklich ein Modell Peter Vischers zu Grunde zu liegen, nach seinem Tode 
aber das ganze Denkmal durch seinen Sohn Johann vollendet werden zu 
sein. Wenn trotzdem der Name des Letztern und die Jahrzahl 1530 an 
der untern Tafel angebracht sind, so wird dies aus einer künstlerischen 
Sitte der Zeit zu erklären sein. Auffallend bleibt dabei immerhin, dass 
der XVerth des oberen Denkmals dem gleichzeitigen Werke in Aschaffen- 
burg nicht ebenbürtig ist. 
Denkmal 
in Berlin. 
Unter den Schülern P. Vischcrs ist besonders noch Pankraz laben- 
wolf zu nennen. Er stellte das eben erwähnte Praehtgitter des Meisters 
im Rathhause auf und machte dazu einige Wappen und andere Ver- 
zierungen. Zu dem Springbrunnen im Hofe des Rathhauses goss er 1550 
das Becken und die Säule, auf deren Drachenkapitäl ein Knabe mit einer 
Fahne steht; ein zierliches Werk. Origineller ist ein andrer Brunnen 
desselben Meisters hinter der Frauenkirche auf dem Gemüsemarkt: die 
Pankraz 
Lnbemvolf. 
Ü Publicirt von Rabe (Berlin 
den K1. Schriften II. S. 659 H. 
Lübke, Gesvh. der Plastik. 
Vergl. 
darüber 
den Aufsatz 
Kuglezßs 
' 39 
in
        

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