Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643264
60g 
Viertes Buch. 
Die 
Propheten. 
Der übrige 
plasfisdn: 
Sclnxxuck. 
Andere 
Werke 
Y nschefs. 
thümliehe Frische und die Wärme der Empfindung der deutschen Kunst 
mit südlichem Formcnadel zu verschmelzen, dabei aber, was irgend an 
Fluss und Schwung in der Kunst der eignen Vo1'fa.hre11 lag, zu neuem Le- 
ben zu erwecken und der deutschen Plastik dieselbe Bedeutung zu errin- 
gen, Welche der Malerei in äthnlicher Art durch Holbein zu Theil wurde. 
Hoch über den Aposteln werden die Pfeiler durch zwölf kleinere Sta- 
tuetten bekrönt, zum Theil Propheten in ähnlicher Feinheit der Charaktrx- 
ristik, vier Figuren (lagegen in keeker Irlaltung und mit jugendlichen 
Zügen in der Tracht der Zeit, der Eine sogar mit aufgestreiften Hemdar- 
mein. Vielleicht ebenfalls Propheten, in deren Charakteristik der lileister 
dann aber dem phantastischen Hange seiner Epoche starke Zugeständnisse 
gemacht hat. Ausserdem sind alle übrigen dekorativen Theile mit einer 
unabsehbziren Fülle von Bildwerken bedeckt. Besonders reich wuchert 
dies heitere Leben am Unterbau. Auf den Ecken sitzen die lahantasievollen 
Figürehen (les Nimrod, Sinlson, Perscus und Ilerkules zwischen ihnen 
am Fuss des mittleren Kandelabers die Gestalten der Starke, Massigkeit, 
Klugheit und Gerechtigkeit, köstlich bewegte Gestalten von grösster An- 
muth. Auf den kleinen verbindenden Bögen des Unterbaues, dem mittleren 
Gesimsc und den oberen Kapitalen der Kandelabei" tummeln sich Sehaareil 
von nackten Kindern, wohl etwas schwer in den Formen, aber (lureh rei- 
zenden Muthwillen, liebenswürdiges Spiel, graziösen Humor wahrhaft ent- 
zückend. Dem hier eingeschlagenen Gedankengangc entspricht es, dass 
auf der mittleren höchsten Kuppel das Christkind als naive Bekrönung des 
Ganzen steht. Aber mit alledem thut sich die unersehöpfliche Phantasie 
des liIcisters noch nicht genug. Er wagt einen vollen (lritf in die antike 
lütbelwelt, bringt ihre Delphine als gothisehe Krabben an den Bögen an, 
verwendet ihre Harpyien zu reizenden liiehthaltern und schüttet ein ganzes 
Heer ihrer Tritonen, Sirenen, Satyrn, Faune über die Basen der Säulen 
und Kandelaber aus. Und aus dieser bunten Fülle des natürlichen und 
phantastischen Lebens erheben sich oben in ruhiger Klarheit die hohen 
Gestalten der Apostel als Träger der geistigen lilachte des Christenthuins. 
Reicher, gedankenvoller, harmonischer hat nie ein Werk (leutscher Plastik 
die Schönheit des Südens mit der Innigkcit des Nordens verbundenü). 
Dieselbe Lauterkeit des Styls, zum Theil in noch feinerer Durehbil- 
dung finden wir an den späteren Werken des Meisters. So zunächst an 
einem vorzüglichen Relief der Krönung Maria, vom Jahre 1521 , von dem 
 Die Inschrift am Fusse des Denkmals lautet: "Fetter Vischer pÜrg0x' zv 
Nurmberg machst das wcrck mit seinen sunnen. vnd ward folbrmht im jyr 1511) 
vnd ist allein Got dem alllneclntigen zv 10b vnd snnct Scbolt dem himclfnrsten zv 
eren mit hilrf frumer lent von dem allmusscn bcznlt."
        

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