Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643222
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Viertes 
nend für den Geist der Epoche und für das wohlbegründete Selbstgefühl 
des wackern Meisters. Aber noch deutlicher bezeugt die grosse Verschie- 
denheit der Auffassung der beiden Statuetten die feine Unterscheidungs- 
gabe des Künstlers. Denn der Heilige, in langem Pilgergewande schreiteud, 
den Stab in der einen, das Kirchenmodell auf der andern Hand, zeigt in 
dem einfach grossen Faltenwurf und dem ehrwürdigen Kopf mit lang her- 
abiliessendem Bart sich als ideales Charak- 
  terbild, während die stämmigc Gestalt des 
 llieisters, dessen breites acht deutsches Ge- 
 sicht. vom kurzen Krausbart umgeben und 
  von einer runden Kappe bedeckt wird, in 
i  n.  _ ,  dem schlichten Schurzfell und der Anspruchs- 
   f);  f   losigkeit der ganzen Haltung eine volks- 
   thiimlieh realistische Erscheinung bietet. 
 (Fig. 177).  
 zeitlich; Dieser einfache Kern des Denkmals wird 
W357,  nun umfasst und überragt von acht schlan- 
  (V  ken Pfeilern, die sich nach oben in zierlichen 
 l   Spitzbögen zusammenwölben und von einem 
  27.7 dreifachen reich gegliederten Kuppelbau ge- 
3 2  krönt werden. Zwischen den Pfeilern sind 
_V L v;  Lä- noch zierliche Kandelaber angebracht, deren 
L 1   Verlängerung sich bis zur Spitze der Bögen 
  fertsetzt. Wir können diese Grundzüge des 
 architektonischen Aufbaues nicht berühren, 
m; HISPOthiId fllgß seilgen selbstanliligen Wertth llrervcüil- 
vom Sglyalduggfgb. ie en. enn gegenu er unvers ancigen n- 
 fechtungen, die einem älteren, im gothischeil 
Styl durchgeführten Entwurf vom Jahre 1488 den Vorzug geben wellen  
ist nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass das ausgeführte Werk an archi- 
tektonischer Schönheit und Originalität, sowie an Zweckmässigkeit für die 
Aufnahme plastischen Sclnnuckes jener Skizze unbedingt überlegen er- 
scheint. Wohl mischt der Meister im Sinne seiner Zeit-die reichen Dekora- 
tivformen der Renaissance mit dem schlanken Aufbau, den scharfen Glie- 
derungen, dem Spitzbogen der Gothik, und fügt endlich in den krönenden 
Kuppeln mancherlei Reminiscenzen romanischer Baldachine, durch gothi- 
 Der Kuriosität halber erinnere ich an den wunderlichen Einfall Heirlelolfäv, 
der jenen älteren Entwurf Veil Stuss zuspreehen und Vischer überhaupt nur zum 
mechanischen Ausführer und Giesser Stossischcr Modelle machen wollte. Ernsthaft 
darauf zu erwidern ist wohl nicht nöthig.
        

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