Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643179
Zweites Kapitel. 
Nordischc Bildnerei von 1450- 
1550. 
593 
Endlich besitzt die Kirche zu An n ab er g ein Werk der Steinsculptur 
aus dieser Epoche, welches weniger durch besondere Feinheit (lcrAusführung 
als durch den beispiellosen Umfang und durch die wahrhaft verschwende- 
rische Anwendung der Plastik hervorragt. Die Brüstungen der Emporen, 
welche sich rings um die Wände ziehen, sind nämlich mit nicht weniger 
als hundert einzelnen Hochreliefs geschmückt, die von 1499-1525 von 
einem llleistei- Tlzeoplzilzes Eltrevzfriczl mit zwei Gehülfen ausgeführt wur- 
den. Die ersten 22 schildern die verschiedenen Altersstufen des Menschen, 
und zwar des männlichen wie des weiblichen Geschlechts mit der im Mit- 
telalter beliebten Hinzufügung von symbolischen Thicrgestalten. Die 
übrigen Reliefs enthalten die Geschichte des alten und des neuen Testa- 
ments, der Maria und der Apostel mit ihren Martyrien. Das Weltgericht 
macht den Beschluss. Tüchtig, wenn auch nicht besonders fein durchge- 
führt, hin und wieder mit Benutzung Dürcrscher Compositionen, müssen 
diese Arbeiten in ihrer früheren Bemalung und Vcrgoldung einen unver- 
gleichlich prächtigen Eindruck gemacht haben.  Von höherem Kunst- 
werth, durch Grossartigkeit der Iihnplindung und Freiheit der Form aus- 
gezeichnet, ist an derselben Kirche die sogenannte goldnc Pforte mit 
einer Darstellung der Dreifaltigkeit. Sodann die Thür der 1522 beendeten 
Sakristei, deren Formen eine geschmackvolle Mischung von Motiven der 
Renaissance und der Gothik zeigen, und die in dem Bogenfelil eine ge- 
müthliche Reliefscene der h. Anna, Maria und des Christkindes, umgeben 
von dienenden Engeln, enthält. Endlich wurde in demselben Jahre der 
Hochaltar aufgestellt, welcher in zierlichem Kalksteinrelief auf rotlnnar- 
mornem Grunde eine hübsch componirte und tleissig ausgeführte Darstel- 
lung des Stammbaums der Maria zeigt. Dieses Werk ist in Augsburg 
von einem dortigen Bildhauer und Schnitzer Adolph Bomber gefertigt 
wortlen". Ein allerdings vereinzeltes, aber beachtenswerthcs Zeugniss für 
den Einfluss der schwäbischen Kunst in diesen Gegenden. 
Die 
Erzarbeit. 
Weniger allgemein, als die beliebte Holzsehnitzerei und die Stein- 
senlptur wird in dieser Epoche die Erzarbeit bei den Deutschen gepflegt. 
Sieseheint fast nur in Nürnberg zu unlfassender Anwendung gekonnuen 
zu sein; (lafür aber erhebt sie sich hier durch die Kraft eines der grössteir 
Meister deutscher Kunst zu reinster Vollendung. Es ist Peter V ischcr, der 
ehrsame Bürger und Rothgiesser von Nürnberg. 
Wir wissen nicht viel von dem ätusseren Leben, noch weniger von 
dem Bildungsgnnge dieses ebenbürtigen Zeitgenossen eines Albrecht 
Dürer. Sein Vater war jener Hermann Viseher, der 1457 das Taufbecken 
Petr-r 
Yischvr.
        

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