Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637662
Erstes Buch. 
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schik  
zugeschrieben werden, und endlich beschliesst dessen Sohn Esarhaddon 
die Reihe mit dem Stidivest-Palast von NllllflHl, der zum 'l'hcil aus 
dem Material eines älteren zerstörten Gebäudes aufgeführt wurde und als 
jüngstes Werk assyrischer Kunst gilt. Eine genaue vergleichende Be- 
trachtung dieser wichtigen Werke ist uns dadurch ermöglicht, dass die 
Sculpturen von Nimrud und- Klljjl111(1SCllll{ im Britischen Museum zu 
London, die von Khorsabad im Museum des Louvre zu Paris der 
öffentlichen Anschauung dargeboten sind. 
Die Bildwerke von Khorsabadt) sehliesscn sich in Grossartigkeit 
der Anlage und strenger Energie der Behandlung den älteren Werken von 
Nimrtnl an, gehen aber zugleich in grösserer lilannigfaltigktzit und Leben- 
digkeit der Motive mehrfach über jene hinaus. Noch in strenger Auf- 
fassung zeigt eine Reliefplatte im Louvre zwei schreitende llläiiinergestal- 
ten. Das Relief, nachdem es (lurch starke und plötzliche Rundung; sich 
hervorgehoben hat, bleibt fast unverändert in der gleichen Fläche; doch 
zeugen die scharf ausgeprägten Armmnskeln sowie die Hautfalten am 
fetten Halse von derselben scharfen Naturbeobaehtung, die wir schon 
zu Nimrud fanden. Dabei ist alles, was zum Kostüm gehört, mit zierlich 
steifer Genauigkeit ausgcmeisselt. Bei einer andern schreitenden Figur 
mit Bogen und kurzem Rock sind die Arme trefflich gerundet und mit 
lebendigem Natursinn durehgebildet, ebenso auch die Beine, obwohl hier 
Knie und Wadennulskehl übertrieben scharf und hart nach Art des ältern 
Stylcs ausgearbeitet sind. Man sieht deutlich, wie die Künstler von Khor- 
sabad sich ernsthaft bemühen, aus der strengen Gebundenheit ziltcrthüm- 
liehen Styles sich zu freierem, fiüssigerem Forlncnvortrag zu entivickeln. 
Dafür ist auch die mächtige Gestalt eines Löwenbändigcrs bezeichnend, 
die in starkem Rundrelief aus der Fläche hervortritt. Der Mann hält im 
nervigen Arm einen jungen Löwen fest an sich gepresst; der Ausdruck 
des Löwen ist ein lebendiger Protest gegen die unbehagliche Lage: voll 
drastischer Bewegung tietscht er die Zähne und rollt die funkelnden Augen. 
Hier wie bei den übrigen Thiergestaltcn sind namentlich an den Beinen 
und Köpfen die itlnskeln sorgfältig und energisch charakterisirt. Die 
kolossalcn schreitenden Portalwächter zeigen die Grossai-tiglurit und 
Maehtfülle ihrer älteren Genossen von Nimrud, Bei den Reliefs der 
Löwcnjagd sind die 'l'hiere ganz vortrcftlit-li aufgefasst, mit grossem Ver- 
ständniss ihres Baues, ihrer Bewegungen, ihres leidenschaftlichen Aus- 
drucks. 
Wenn die Werke von Khorsabad den Ue-bergang vom alterthümlich- 
Le monumcnt de Ninivö. 
1') Abbildungen in Bollu et Flanrlizz, 
F01. 
Paris 
L9449.
        

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