Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643037
Zweites Kapitel. 
Nordische Bildnerei von 1450 
1550. 
579 
Brüche, aber 
deutender. 
gleichwohl 
bleibt 
der 
Eindruck 
im 
Ganzen 
ein 
hochbe- 
Vom Jahre 1508 datirt sodann die Gruppe des von den beiden Ma- 
rien und J ohamies beweinten todten Christus an der Kirche zu Heiding s- 
f eld bei Würzburgt), ein achtes Werk des Meisters, mit innigen edlen 
Köpfen und wahrem Ausdruck des Schmerzes, aber ohne freicre Belebung 
der Cornposition und in dieser Hinsicht Kraift entfernt nicht gleichkom- 
mend, obwohl in einer gewissen feineren Anmuth ihn übertreffend.  Das 
Tabernakel mit dem Erlöser und den Schutzheiligen des Stiftes, welches 
Riemensehneider um 1510 für den Hochaltar des Doms zu Würzburg 
arbeitete, ist spurlos verschwunden. Dagegen erkennt man in dem grossen, 
vor dem Chor vom Gewölbe herabhängenden Kruzifix ein Werk des Mei- 
sters. Ebenso rührt von ihm der einfache, aber durch feine Charakteristik 
und edle Haltung ausgezeichnete Grabstein des gelehrten Johannes Tri- 
themius (T 1516) in derNeumünsterkirehe, rechts vom Haupteingange. 
Das milde, wohlwollende Gesicht ist wie die ganze Gestalt treiflieh im 
Flachrelief modellirt, und der grosse Faltenwurf zeigt auch nach dieser 
Seite eine Läuterung des Schönheitssinnes. Wirkungsvoller konnte Rie- 
mensehneider die Reife seiner Auffassung an dem Grabmale des Fürst- 
bischofs Lorenz von Bibra (T 1519) bewähren, welches er im Dom 
dicht neben jenem früheren ebenfalls aus Salzburger Marmor ausführte. 
In der Anlage jenem verwandt, unterscheidet es sich vor Allem darin, 
dass die begleitenden architektonischen Formen die einer phantastisch 
spielenden Frührenaissanee sind, die mit der unentbehrlichen Zuthat naiver 
nackter Genien ausgestattet ist. Voll Reiz in den Köpfen, lassen sie eine 
ungezwungene Bewegung allerdings vermissen. Auch die Genien mit 
Festons in der Lünette, die den oberen Abschluss bildet, sind wunderlich 
componirt, aber im Einzelnen von entzückender Anmuth in Köpfchen und- 
Geberden. Die beiden Heiligenstatuetten daneben zeigen die feinste 
individuelle Charakteristik. Diese tritt dann an der gi-ossen Reliefgestalt 
des Verstorbenen mit einer fast herben Schärfe des Naturgefühls hervor. 
Der Kopf erscheint in seiner welken Abgelebtheit durchaus portraitwaln- 
und in jener feinsten Ausführung, welche Riemenschneiders Werke kenn- 
zeichnet. Die Gewandung ist nicht ganz so schwungvoll und gross ange- 
legt, wie bei dem früheren Bisehofsgrabe; die Haltung aber von lebens- 
voller Natürlichkeit, die Bewegung wahrhaft vornehm. 
Ein holdseliges bemaltes Marienbild aus Holz, umgeben von einem 
Rosenkranz mit fünf kleinen tretflichen Hochreliefs, Scenen aus ihrem 
Werke zu 
Heidings- 
feld, 
zu Würz- 
burg. 
zu Volkßcl 
bei Becker
        

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