Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643020
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Viertes Buch. 
Statuen für 
lie Frauen- 
kirche zu 
Würzburg. 
kaiserlichen Paares in starkem Hochrelief geschildert. Zuerst macht Ku- 
nigunde, im vollen Staat, mit Turban und Diadem geschmückt, die Feuer- 
probe, um sich von dem Verdacht der Untreue zu reinigen. Die Röcke 
zierlich aufhebend, geht sie über glühende Pflugschaaren vorsichtig daher. 
Der Kaiser, der umgeben von Hofleuten mit zusammengelegten Händen 
dasitzt, sieht gar nicht hin. Auf dem zweiten Bilde bezahlt Kunigunde 
aus einem auf ihrem Schooss stehenden Teller die Wcrkleute der von ihr 
erbauten Stephanskirche. Hier bildet die prächtige Charakteristik der 
Handwerker mit der vornehmen Haltung und der feinen Gestalt der Kai- 
serin und ihrer beiden Frauen einen schönen Gegensatz. Das dritte Bild 
zeigt den Kaiser in nicht sonderlich gelungener Verkürzung auf dem 
Krankenbett liegend, neben ihm den h. Benedikt, wie er den Patienten von 
seinen Steinschmerzen befreit. Sodann folgt Heinrichs Tod. Der Kaiser, 
ein markiger Kopf mit herrlichem Bart, liegt mit der Krone im Bett und 
sucht seine naiv schluchzende Gemalin zu trösten. Ein Hofmann kniet in 
ziemlich verzwickter Stellung daneben. Unter dem Gefolge sind feine 
Mädchengesichter und ein wehmüthig schöner Jünglingskopf, dessen 
schmales Oval von einer Lockenfiut umgeben ist. Den Beschluss macht 
Heinrichs Seelenwägung. Der Kaiser kommt schüchtern gegangen; ein 
Diener legt den Kelch der kaiserlichen guten Werke in die eine Waag- 
schaale, während drei possicrliche Teufel vergeblich an der andern 
Schaale zerren. S. Michael schwingt hoch sein Schwert und hat ganz die 
steife Stellung, wie auf tlandrischen Bildern der Zeit. Naiv und anmuthig, 
fein im Formgefühl und meisterhaft in der Technik, beweisen diese Werke 
doch, dass Riemenschneidcr kein grosser Erzähler ist, dass seinen Figuren 
bei aller Anmuth die Fähigkeit der freieren Bewegung mangelt, dass 
ihm die dramatische Lebendigkeit eines Veit Stoss und Adam Kraift 
abgeht. 
Neben dieser grossen Arbeit schuf der Meister aber noch manches 
andere tüchtige Werk. S0 zunächst von 1500-1506 die überlebens- 
grossen Sandsteinfiguren Christi, Johannes des Tänfers und der Apostel, 
Welche an den Strebcpfeilern der Marienkirche zu Würzburg aufgestellt 
sind. Obwohl überarbeitet, "gehören sie zum Theil zu den werthvollsten 
Leistungen Riemenschnciders, namentlich die sechs an den Chorpfeilern 
befindlichen. Nur die beiden Johannes sind durch neue Arbeiten ersetzt, 
und die Originale in der Sammlung des historischen Vereins aufgestellt 
worden. Einige sind grossartig in Bewegung und Ausdruck mit ener- 
gischen Charakterköpfen; andere zeigen den rührend schönen, von Wel1- 
muth umtlossenen jugendlichen Kopf, der eine Lieblingsform des Meisters. 
Die Haltung ist meistens etwas befangen, die Gewänder haben scharfe
        

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