Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642959
Zweites Kapitel. 
1450 
Nordische Bildnerei von 
155( 
571 
sition Kratffs. Aus reichem landschaftlichen Grunde heben sich in fast 
frei gearbeiteten Darstellungen, ergreifend lebendig geschildert, die Kreuz- 
trziguug, Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Christi heraus. Trotz 
der Menge der Gestalten, der unruhigen Gewänder und der zu reichen 
landschaftlichen Details treten die Hauptzüge der Composition klar hervor. 
(hossartig angeordnet ist besonders die Grablegung, wo Maria im tiefsten 
Leid niedergesunken den letzten Kuss auf des Sohnes kalte Lippen 
drückt, während Magdalena, ganz in Schmerz aufgelöst, zu seinen Füssen 
kniet. Bei der Auferstehung erscheint Christus überaus edel bewegt und 
von hoheitsvollenl Ausdruck. Dass die Ausführung nicht in allen Theilen 
gleich vollendet ist, kann bei der Ausdehnung des Werkes nicht über- 
raschen. 
In der Sebaldskirche sieht man am ersten südwestlichen Pfeiler 
des Schiffes über dem Altar eine Passionsscene Krafffs vom Jahre 1496, 
die wieder reich an trcfflichen Zügen ist. Sie schildert abermals den 
unter der Kreuzeslast hinsinkenden Christus. Lebendig bewegte Kriegs- 
knechte, eine etwas passive, aber schöne Ch-lippe der frommen Frauen 
und der, hier minder tief aufgefasste Erlöser sind zu klarer, Wohl abge- 
wogencr Composition verbunden. 
Es mag dem Meister eine erfrischende Abwechselung gewesen sein, 
als er 1497 das kleine prächtige Genrebild, das noch über der Thür der 
Stadtwaage sich befindet, in seiner kräftigen, hier von Humor umspielten 
Auffassung arbeiten konnte. Sodann führte er bis 1500 das zierlich 
kunstvolle, 64 Fuss hohe Tabernakel der Lorenz kirche aus. Es ent- 
hält in seinen oberen Partieen kleine etwas überfüllte Scenen aus der 
Passion, eine trefflich componirte Darstellung des Abendmahls und andren 
figürlichen Schmuck, der jedoch zu sehr von den krausen Formen der 
Architektur verdeckt wird, um genossen und gewürdigt zu werden. An den 
unteren Theilen sind feine Statuetten von Heiligen angeordnet, darunter 
auch eine liebliche Madonna. Am wichtigsten sind aber die drei lebens- 
grossen knieenden Figuren, welche den Unterbau auf ihren Rücken tragen. 
Der Eine ist jlmg, unbartig, der Andre männlich, kraftvoll, mit vollem 
Krausbart (vielleicht der Meister selbst, der nach Neudöriifers Zeugniss 
sich hier sammt zwei Gesellen dargestellt hat); der dritte ist älter und 
stützt sich auf seinen Stab. Diese Gestalten sind meisterhafte Charakter- 
bildcr voll Portraitwahrhcit, dabei vorzüglich fein durchgeführt.  In 
dieselbe Zeit (1498) fallt noch das herrliche grosse Relief der Madonna im 
nördlichen Schiff der Fraucnkirche, wo der Meister auch nach derSeite 
weiblicher Aumuth und Schönheit sich als einer der Besten bewahrt. 
Maria, fast frei herausgearbeitet, steht auf einer Konsole und halt voll 
Passion" 
in S. So 
cf an dm- 
itwaage 
Tube: 
in S. I 
mkcl 
HINZ. 
Denkm: 
der Fm 
kirch
        

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