Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642875
Zweites Kapitel. 
1450 
Nordische Bildnerci von 
1550. 
O63 
endlich in S. Jakob rmd in S. Marien zu Stendal wiederholt. In beiden 
letzteren Kirchen stehen diese grossen Statuen noch im Zusammenhang 
mit de1' ganzen, in reich durchbrochenem Sohnitzwerk ausgeführten Scheide- 
wand des Chores, die in S. Jakob mit den Apostclstatuen und der Krönung 
Mariä, in der Marienkirehe mit den Apostelbildern geschmückt ist. Denn 
in letzterer Kirche kommt der prächtige Marienaltar gleichsam als Ab- 
schluss dieses vielleicht einzig in seiner Art noch erhaltenen Ganzen hinzu. 
Die Zeit der Ausfiihrmig fällt in die letzten Deeennien des 15. Jahrhun- 
derts.  Den derb realistischen, leidenschaftlich bewegten Styl vertritt 
dann der prachtvolle Flügelaltar der lilarienkirche zu Salzwedel, der in 
dreissig ausdrucksvoll entwickelten Reliefbildern das Leben und Leiden 
Christi, in der Mitte die Kreuzigung schildert. Oben sieht man unter 
zierlichem Baldaehin ein Standbild der Himmelskönigin. So hat Maria 
hier, wie fast überall in norddeutschen Sehnitzwerken, mit dem Eindringen 
des Realismus zurücktreten und den für die veränderte Zeitstimmung be- 
zeichnenden Schilderungen der Passion das Feld räumen müssen. Aehn- 
liehe, nur noch spätere, dabei auch wildere und rohere Darstelhuigen der 
Leidensgeschichte sieht man an einem Altar der Kirche zu Seehausen, 
während ein kleinerer stark beschädigter Seitenaltar ebendort noch den 
idealen Styl der früheren Zeit vertritt. 
Endlich fehlt es auch in Schlesien nicht an Beispielen der Holz- 
sculptur, obwohl dieselben meistens von untergeordnetem Kunstwerth 
sind und sich nicht zur selbständigen Bedeutung einer eigenthünllichen 
Schule erheben. Zwei rohe Altäre dieser Art, der eine von 1498, sieht 
man in der Elisabethkirche zu Breslau"). Ein bedeutendes Werk, etwa 
aus deriMitte des Jahrhunderts, ist dagegen der grossartige lliarienaltar 
derselben Kirche. Der Schrein enthält in derben wirksam gearbeiteten 
Figuren die bekannte mystische Darstelltmg der Maria mit dem Einhorn 
auf dem Schoosse, daneben den Engel der Verkündigung auf dem Hüft- 
horn blasend, sodann J ohanncs den Täufer und die h. Elisabeth mit dem 
Kirehenmodell. Darüber in musterhaft klarem Aufbau die Krönung liiariät 
mit Christus und Gottvater; noch weiter oben die thronende Himmels- 
laönigin sammt musizirenden Engeln. Den anmuthigen Styl dieser früheren 
Zeit befolgen auch zwei Schnitzaltäre der Corpus-Christikirehe da- 
selbst. Derb und tüchtig ist wieder das Sehnitzwerk eines Altars in der 
Schlesiscl 
Sohn itz- 
werke. 
 Vergl. meinen Aufsatz in der Berliner Zeitschr. für Bauwesen 1856. Dazu 
die eingehenderen Untersuchungen von A. Schult: in den Wiener Liittheil. 1862 
Novemberheft. Endlich Dr. Luchs, die S. Elisabethkirche zu Breslau 1560, und 
IV. Weingärtner in den Mitth. von 1863. 
36 4'
        

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