Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642822
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Viertes Buch. 
Holzschuhcr- 
Kapelle. 
ImlmIT- 
K apvlle. 
Madonna im 
Land nuer 
Kloster. 
Wilde, Wirre und Hässliche; bei der Grablegung ist Christus selbst zwar 
unedel, aber die Gruppe der Jünger und Frauen in ihrer 'I'rauer sehr 
schön bewegt. Auf Stossische Schule deutet (lagegen das trcffliche Schnitz- 
werk an einem Altar in einer südlichen Kapelle von S. Lorenz, die bei- 
den Statuen der Magdalena und lifargaretha, sowie an den Flügeln die 
Reliefgestalten eines Bischofs und des h. Matthäus enthaltend. In der- 
selben Kirche sieht man noch mehrere Altäre mit Schnitzwerken dieser 
Zeit von einer mehr handwerklichen 'l'üchtigkeit. Ebenfalls nur unterge- 
ordnet ist die würdelose Auferstehung Christi, obwohl technisch gut durch- 
 geführt, in der Holzschuher-Kapelle auf dem J ohanniskireh h of. Ganz 
gewöhnlich und untergeordnet der Hauptaltar in der Imhofschen Kapelle 
auf dem Rochuskir chhof e. Recht feinund liebenswürdig (lagegen die 
Schnitzwerke des Rosenkranzaltars derselben Kapelle, dessen Gemälde 
den Namen Burgkmaiers und die Jahreszahl 1522 tragen.  Fast alle 
Werke dieser Zeit überragt aber die berühmte und durch Abgüsse überall 
i bekannte betende Maria in der Kapelle des L andauerklosters, jetzt 
zur Kunstschule gehörig. Sie stammt von Gnadenberg in der Pfalz und 
scheint mit einem nicht mehr nachzuweisenden Johannes zur Seite eines 
 Cruziiixes gestanden zu haben. Darauf deutet die Haltung des Kopfes, 
darauf die schönen schmerzlich gerungenen Hände. An Feinheit der Be- 
weguug, Adel der Form und Reinheit der Gewandbehandlung steht (lies 
Werk so einzig in seiner Zeit da, dass es bis jetzt unmöglich war, es auf 
einen bestimmten Meister zurückzuführen. Für deutschen Ursprung zeugt 
schon die bescheidene Innigkeit, mit welcher der Schmerz ohne das min- 
deste Pathos sich ausspricht. In dieser Hinsicht vermisst man sogar in 
den lieblichen Zügen jenen schärferen Accent des Leidens, (len man bei 
einer Schmerzensmutter unter dem Kreuzesstamm erwarten sollte. 
lüinflüssen der Nümbergischen Schule begegnet man in vielen Be- 
zirken des übrigen Deutschlands, da keine Stadt nur entfernt an Thätig- 
kcit auf diesem Felde sich mit Nürnberg messen konnte. S0 sieht man 
in der oberen Pfarrkirche zu Bamberg ein bemaltes und vergoldetes 
Relief der Auferstehung und Krönung Maria, das in der anmuthigcn 
Madonna und den energisch lebendigen Gestalten der Apostel, die das 
Grab umknieen, unverkennbar auf nürnbergische Abstammung hinweist. 
Weiter scheint die Thatigkeit der Schule sich über Thüringen und Sachsen 
ausgebreitet zu haben.   
Einen vorzüglichen Meister, der wohl der schwäbischen Schule am 
nächsten verwandt erscheint, lernt man in den vier zu gleicher Zeit (um 
1512 und 1514) errichteten Altitren im Querschiif der Elisabethkirche zu 
Marburg kennen. Die im südlichen Arme enthalten die Legenden der
        

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