Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642814
Zwcitcl Kapitel. 
Nordische Bildneroi von 
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Werkes ist seiner würdig.  Einen Künstler der Stossschen Richtung 
glaube ich dagegen in dem Altar zu erkennen, welcher Maria mit der 
h. XValburgis und einem h. Bischof in Rundtigin-en enthält. Die Behand- 
lung ist tüchtig", der Kopf der ltlaria schön entwickelt; (lagegen lässt der 
Künstler, um ein Motiv der Drapirnng zu gewinnen, sie mit der linken 
Hand, die eigentlich das Kind halten sollte, ziemlich ungeschickt nach 
dem Mantel greifen.  Derselben Richtung gehört ein anderer Altar an, 
welcher die Madonna zwischen dem h. Sebastian und Barthololnäus auf 
den Flügeln, sodann in Flachreliefs die h. Erasmus und Barbara, hlartiil 
und Katharina enthält. Die Arbeit ist tüchtig aber handwerklich, ohne 
tiefere Empfindung, die Flachreliefs sind von schwächerer Hand. Werth- 
voller sind die etwas älteren, stark naturalistischen aber ausdrucksvollen 
Figuren der Altarstatfel, etwa von 1470, Welche den von den drei Frauen 
betrauerten Christusleichnam darstellen. Endlich ist ein sehr schöner 
Schnitzaltar zu erwähnen, dessen Aussenseiten mit schlechten Gemälden 
in der Weise Schäulfeleins vom Jahre 1516 bedeckt sind. Dagegen zeigen 
die vier in ziemlich llacllenl Relief ausgeführten und sehr gut polychro- 
mirten Heiligengestalten des Innern, Anna mit dem Christkinde, welches 
von der neben ihr stehenden Maria angebetet wird, die h. Genovefa, Mar- 
garetha und Helena darstellend, die Island eines xiorzüglichen Meisters. 
Der Faltenwurf ist grossartig, obwohl etwas gebrochen, die Behandlung 
des Reliefs zeugt von gutem Verständniss der Perspektive, die ovalen 
Iiöpfehen sind voll Liebreiz. Auch die Miniaturfigürchen einer Geburt 
des Johannes an der Altarstaffel haben viel naive Anmuth. 
Einen 
bedeutenden Meister 
lernt 
III illl 
in den Statuen 
eines Christus 
am Kreuz mit Maria und Johannes und der an1 Krenzesstamm niederge- 
sunkcnen Magdalena kennen, die über dem Ohorbogen von S. Clara an- 
gebracht sind. Der prächtige Fluss der Gewänder, die edle Durchbildilng 
des Christuskiirpers zeugen von reinem Geschmack. Die Köpfe kann man 
nicht beurtheilen, so abschculich sind sie neuerdings durch Ucbermalung 
entstellt worden.  In der Euchariuskapelle bei der Aegidienkirchc 
weist ein grosses Schnitzwerk (ler Vermählung der h. Katharina (die Ma- 
donna, eine herrliche Gestalt in grosszmrtigem Gewande) auf einen Künstler 
der Stossisizhen ltichtung. Anziehend ist denkleine Christus, der in naiver 
Unbehülflichkeit ziuf dem Scheoss der Mutter steht, um der Katharina den 
Ring zu reichen. Nur die Köpfe sind durchweg zu gross, Mariafs Gesicht 
obendrein gar zu gleichgültig.  In der Frauenkirche wird das über 
dem Bogen des Ilauptportals im Innern angebrachte Relief einer Kreuz- 
sehlepläung und Grablegung mit Unrecht Veit Stoss beigelegt. Dieersterc 
Composition ist eins der lehrreichen Beispiele von der Verirrung ins 
In S. Clnra. 
Aegidi 
Frmr 
kircl
        

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