Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642809
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Viertes Buch. 
Andere 
Schnitz- 
werkc zu 
Nürnberg. 
In S. Jako 
der ehemals das Dürefsche Dreifaltigkeitsbild enthielt, ist in feinen 
Renaissaneeformen, in welche sich noch Gothisches zierlich mischt, ausge- 
führt. Das Bogenfeld wird von einem Holzrclief des Weltrichters mit 
Maria und Johannes ausgefüllt. Maria betet, still in sich versunken; Jo- 
hannes fleht innig nach oben gewendet. Christus, der auf dem Regenbogen 
thront, macht nach der linken Seite eine herrlich maehtvolle Bewegung 
des Abweisens, während die Rechte segnend sich ausstreckt. Dies Werk 
athmet so sehr die Grösse, Feierlichkeit 1md Tiefe Dürefsehen Geistes, 
dass er gewiss als geistiger Urheber desselben betrachtet werden muss. 
Sodann aber hat der vielseitige Meister wiederholt kleine Kunstwerke in 
Buchs geschnitzt oderin Speckstein geschnitten. Von ersterer Art ist eine 
Statuette der lllaria. als Himmelskönigin vom Jahre 1513, ehemals in 
BoissereeÄscln-m Besitz, von (leren Grossartigkeit unsere Abbildung 
(Fig. 169) eine ungefähre Vorstellung giebt. Die Sammlung zu Gotha 
bewahrt die ebenfalls vorzüglichen Statuetten von Jldanx und lüva; das 
Museum in Braunschweig ein geistreiehes in Speckstein geschnittenes 
llochrelief mit der Predigt des Johannes. Ein ähnliches Werk von hohem 
Werth ist die im Britischen Museum zu London in der Kupfierstichsamm- 
lung vorhandene Darstellung der Geburt des Johannes, vom Jahre 1510, 
offenbar ein Seitenstück des Braunschweiger Reliefs: Beide von wunder- 
barer Feinheit der Ausführung bei grösster Lebendigkeit der Er- 
zählung ü).   
Kehren wir nun nach Nürnberg zurück, um eine Uebersieht über 
die werthvollsten Schnitzereien zu halten, von (leren Meistern uns keine 
Nachrichten vorliegen. Mehrere vorzügliche Werke besitzt die J akobs- 
kirch e. Yor rlllcln eine Gruppe der Maria. mit dem Leichnam (Jhristiitt), 
schön aufgebaut, von klarer EHtVVlCklllHg der Form und tiefem Ausdruck. 
Eben so gut componirt ist eine Gruppe, wo der sinkende Chiistusleichnzun 
von lilaria und Johannes aufgefangen wird; nur waltet hier ein harter 
Realismus, der besonders in den Köpfen unerfreuliell wirkt. Dagegen 
zahlt eine sitzende Madonna zu den reinsten Schöpfungen dieser Zeit. 
Vielleicht gehörte sie ursprüilglicli zu einer Gruppe der Anbetung der 
Könige, denn sie führt dem Christkinde das Händchen zum Segnen. In 
der Linken hält der Kleine die Weltkugel; lllarizr mit der Krone-auf den] 
Ilaupte erinnert in der lieblichen Form des Gesichtes, in der Zeichnung 
der Hände und der Gewandung am meisten an die Madonnen Adam 
Krafits. Auch die schöne Linienführung im Aufbau dieses kleinen Meister- 
 Letzteres sehr gut uhgub. bei E. 
 Gut abgeb. bei Ifvlllßwrg S. 74. 
Dunkn 
VII.
        

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