Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642726
548 
Viertes Buch 
Stcss in 
Nürnberg. 
Kathedrale: ein Werk von ernster Pracht und feierlicher Anordnung, 
ganz in rothem 'I'atramar1nor ausgeführtt). Auf dem Sarkophage ruht die 
Gestalt des Königs im reichen Krünungsornat, mit Krone und Scepter; 
die mageren greisenhaften Züge sind von entschiedenem Portraitausdruck. 
Die Seiten des Sarkophags zeigen kleine Figuren, welche paarweise ein 
Wappen umgeben. Es sind die verschiedenen Stande, die mit lebhaften 
Gebärden des Schmerzes den Tod des Herrschers beklagen. 'Ueber dem 
Grabmal erhebt sich auf acht schlanken Marmorsäulen, deren Kapitale mit 
beziehungsreichen biblischen Darstellungen in zierlichen Figürchen bedeckt 
sind, ein gothischer Baldachin von iiachen sich kreuzenden und mit Krabben 
besetzten Schweifbögen. Als Verfertiger der Kapitalsculpturen nennt 
sich ein Schüler des Veit Stoss, Jörg Hueber. Das ganze Denkmal ist 
bei allem Rcichthum von würdevoller Einfachheit.  
Als Holzsehnitzer bewährte sich Veit Stoss sodann wieder 1495 
durch die Rathsherrnstühle im Chor der Frauenkirche. Dass der 
fieissige Meister ausser diesen Werken mit seiner zahlreichen Werkstatt 
gewiss in oder um Krakau noch Manches ausgeführt hat, lässt sich ver- 
mnthen. Wie weit seine Arbeiten verbreitet Waren, geht daraus hervor, 
dass nach seinem Tode die Testaments-Exekutoren eigene Boten nach 
Polen, Böhmen, Ungarn und Siebenbürgen schickten, entweder um Forde- 
rungen einzutreiben oder nach seinen Waaren zu schenH). Ebenso bezog 
er fleissig die Messen von Süd- und Mitteldeutschland, um mit seinen Er- 
zeugnissen Handel zu treiben, so gut wie Dürers Frau, die genaue Rechen- 
meisterin Agnes, an Jahrmärkten die Stiche und Holzschnitte ihres Mannes 
öffentlich feil bot. Während aber Dürer es mit allen seinen Werken 
ausserst gewissenhaft nahm, fassten die meisten seiner Kunstgenossen ihr 
Gewerbe oft ziemlich handwcrksmässig auf und licsscn manche geistlose 
oder gar- rohe Gescllenarbeit unbekümmert unter ihrem Namen in die 
Welt gehen. Unter diesen Voraussetzungen muss man überall eine scharfe 
Revision dessen vornehmen, was unter berühmten Meistcrnamcn eine oft 
unerfreuliche Dutzendarbeit birgt. In solchem Sinne waren auch die 
Schnitzarbeiten in und um Krakau einer strengen Sichtung zu unter- 
werfenwt). 
Als Veit Stoss im Jahre 1496 nach Nürnberg zurückkehrte, fand er 
k) Eine genaue Beschreibung giebt J. von Lepkmvslri in den Mitth. der Centr. 
Comm. 1860. S. 296 FF. Abb. in E. Försteräv Denkm. V1. 
H") J. Baader, a. a. O. II. S. 46. 
t") Die dahin zielende Arbeit des Herrn von Leplrmlnvlvi in der Krakauer Zeitung 
1857 Nr. 128 bis 134 ist mir leider nicht zu (äesicht- gekommen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.