Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642637
Zwpites Kapitel. 
Nordische Bildnerei von 1450 
1550. 
539 
derholt aus dem benachbarten Schwaben berief, an einer Reihe von Werken 
verfolgen. So an einem Sehnitzaltar in der katholischen Kirche zu Win ter- 
thur, der aus der Kirche zu Reams (Graubünden) stammt und nach 
insehriftlichenl Zeugniss 1501 durch einen Meister [v0 ß7rigzrler, wie es 
scheint von Memmingen, gefertigt wurde; besonders aber an dem pracht- 
vollen  des Doms zu Chur, gegen Ende des 15. Jahrhunderts von 
einem Meister Jakob Rösch ausgeführt (1499 noch nicht ganz vollendet) f). 
Es ist wieder ein Ilauptwerk und Meisterstück nordischer Kunst, um so inte- 
ressanter, da es hart an der Schwelle von Italien den Geist oberdeutseher 
Altar in 
Chur. 
Plastik so rein und schön vertritt. Zudem fesselt es schon durch die vor- 
zügliche Erhaltung und die noch unberührte glänzende Polyehromie. Aber 
auch dem Inhalte nach ist es vielleicht unter allen ähnlichen Werken das 
vollwiehtigste. Denn es enthält einerseits die ganze Leidensgeschichte 
Christi bis zum Kreuzestode, andrerseits (im Innern und in dem krönenden 
Tabernake-l) die Verherrlichung der Maria und (ler Ortsheiligen; die's 
Alles verbunden mit den prophetischen Gestalten des alten 'l'estamentes, 
mit den Heiligen, lllärtyrern und Engeln, sodass hier der ganze historisch- 
symbolisehe Inhalt, den die Kunst des 13. Jahrhunderts über die Portale 
und Fagaden der Kirche-n ausgoss, in diesem gcistvoll durchdachten Altar- 
sehrcin zusammciigcdräiigt ist. Die Ausführung erscheint, wie immer bei 
solchem Umfange, ungleich, die Gestalten neigen, wie die späteren schwä- 
bisehen Werke pflegen, zu etwas untersetzten Verhältnissen. Aber in den 
weiblichen und jugendliehen Figuren, namentlich oben im Baldaehin 
herrscht eine l-loldseligkeit und Schönheit, die wieder an die besten Ar- 
beiten in Schwaben erinnert. 
Dies treffflicho XVerk steht aber im Graubündllerlande nicht ver- 
einzelt  Drei Schnitmltäre bewahrt noch jetzt die Klosterkirche von 
Churwalden; (invon der liiarienaltar in der inneren Kirche vom Jahre 
1477 durch Grösse und Pracht, sowie den luftigen Aufbau hervorrzrgt. ln 
der iiusseren Kirche ist der Luciusaltai- vom Jahre 1511 noch wohler- 
halten; derKatharine11alta1' jedoch grösstcntheils zerstört. Einen ähn- 
liehen Schnitznltar vom Jahre 1479 besitzt die lllarienkirche zu Lenz im 
Albulathale; ferner die Pfarrkirclie in dem benachbarten Brienz, wo 
1519 Altar und Kirche eingeweiht wurden. Von reicher Anlage und präch- 
tiger Ausführung scheint der Altar in der Pfarrkirehe des Dorfes Alveneu 
zu sein, mit grosscn Statuen der lliaria, inmitten von Heiligen, sowie mit 
Andere 
Altäre 
Granhii 
den. 
Genaue Besvhr. in den Mitth. der antiq. Ges. in Zürich Bd. XIJ Hft. 7.  
Die folgenden Notizen verdanke ich gütigen Mittheihxilgen des Herrn Dr. 
ßrl'i_q_qrv' von Chnrwaxlrlen. 
Ü 
14k) 
Uhr. G.
        

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