Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642592
Zweites Kapitel. 
Nordische Bildnerei von 1451 
1550 
535 
sie, jenen siamesischen Zwillingen gleich, aus einem Stück gearbeitet, 
mit dem Rücken aneinander sitzen. In der stylistisehen Behandlung 
mischen sich Naehklänge älterer Kunst mit manieristisehen Einflüssen 
Italiens.  
Einen anderen Sitz der schwäbischen Schnitzarbeit finden wir ferner Meister von 
in Ravensburg. Aus der dortigen Pfarrkirche stammt ein jetzt bei Herrn Ravensburg" 
von Hirscher zu Freiburg im Breisgau befindliches Standbild der Ma- 
donna, inschriftlich von einem Meister Schranmz gearbeitet. Dieselbe Hand 
will man in einem andern Sehnitzwerke erkennen, das aus Ravensburg in 
den Besitz des Bildhauers Entres zu München gekommen isttt). Es stellt  
die Messe des h. Gregor sammt Katharina und Onofrius dar, Gestalten 
ohne rechte Lebensfahigkeit in etwas verkümmerten Verhältnissen, aber 
mit ausdrucksvoll edlen Köpfen und schön tliessender Gewandung, dazu 
mit feiner Bemalung versehen. Endlich schreibt man demselben Künstler  
ein fast lebensgrosses Standbild des heiligen Ulrich in der Kirehezu 
Bodneg g zwischen Ravensburg und Wangen zu. 
Mehrere Schnitzaltare in der kleinen Kirche zu Mühlhausen am 51mm zu 
Neckar sind zwar weniger als hervorragende Kunstwerke, wohl aber als Muhmausml 
bezeichnende Typen der schwäbischen und der fränkischen Schule beach- 
tenswerth. Den lauteren Schönheitssinn der schwäbischen Schnitzerei 
erkennt man in einem _Altare, dessen Schrein fünf gekrönte heilige Jungq 
frauen zeigt. Zwei halten ein Buch, die dritte einen Korb (ElisabethÜ, 
die vierte, wohl Barbara, einen Kelch. Die Körper sind mit Verstäindniss 
ausgebildet, die Bewegungen fein motivirt, die Gewänder in weichem 
Fluss, die reizenden rundlichen Köpfchen mit blonden Locken oder ge- 
floehtenen Zöpfen geschmückt. Den fränkischen Kunsteharakter glaube  
ich dagegen in den fünf fast lebensgrossen bemalten IIolzstatuen des 
Hauptaltares derselben Kapelle zu entdecken. Es sind die Heiligen Vitus, 
Wenzel, Sigismund und zwei andere Heilige, reich bemalt und vergoldet.  
Die Köpfe haben eine tüchtige Charakteristik, aber die körperliche Dllfßll- 
bildung der Figuren erscheint schwach, und die Gewandung hat jene 
scharfbrüchigen knittrigen Falten, die nirgends so beliebt waren wie in 
der Nürnberger Schule. 
Noch stärker tritt der Einfluss der fränkischen Schule in den zahl- Schnitz- 
reichen Schnitzwerken der Michaelskirehe zu Hall hervor, deren keines Welilliiihln 
übrigens von ausgezeichnetem Werthe ist. Das Bedeirtendste enthält der 
lloeihaltar in einem iigurenreichen gedrängten Relief der Kreuzigung. Die 
kleinen Gestalten sind fein ausgeführt, namentlich die weiblichen; einige 
Fiirslnr 
nen Denkm. 
hat es in sei 
alagcbildet.
        

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