Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642512
Zweites Kapitel. 
Nordische Bildnerei von 
M450- 
550. 
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einem kleineren Ecce homo. Diese Arbeiten beweisen durch tiefen Aus- 
druck und feine Formbeliainllung, sowie durch den Styl der Gewänder den 
Einfluss der ilandrischen Schule, wie denn Herlen auch in einer nördlingei- 
Urkunde als ein Künstler bezeichnet wird, der mit niederländischerArbeit 
umzugehen wisse. Minder bedeutend sind die Schnitzwerke am Altar der 
Blasiuskirche zu Bopfin gen vom Jahre 1472 sowie an einem andern 
Altar in der Georgskirche zu Dinkelsbühl.  
Spätere Arbeiten dieser Gegenden scheinen eine Mitte zwischen dem  
fränkischen und schwäbischen Styl zu halten und unterscheiden sich von  
der Mehrzahl der Uebrigen durch den gänzlichen lliangel von Bemalung. 
Dahin gehört der Altar des h. Blutes in der Jakobskircke zu R0then- 
burg vom Jahre 1478, mit einer malerischen Darstellung des Abendmahls, 
das durch die scharfen knittrigen Brüche der Gewandung sich mehr zur 
fränkischen Schule neigt. In der Spitalkirche daselbst enthält ein Altar 
die Krönung der Maria und in der Predella ihren Tod, ausgezeichnete 
Arbeiten von hohem Schönheitsgefühl und darin mehr der schwäbischen 
Schule verwandt. Sodann der prachtvolle lllarienaltar in der Wallfahrts- Crcglingen, 
kirche bei Creglingen vom Jahre 1487, ebenfalls unbemalt, durch  
Schönheit der Anordnung und Reichthum der Charakteristik hervorragend,  
in der Gewandung an tlandrische Gemälde erinnerndii).  Noch ist in Nörrllingcrl. 
der katholischen Salvatorkirche zu Nördlingen ein stattliches Altar- 
werk zu nennen, das im Mittelsehrein die fast lebensgrossen Hochrelief- 
figurcn der h. Michael, Stephanus und Johannes des Täufers, an den 
innern Flügelseiten die Flachreliefs des h. Olaf und der h. Barbara zeigt: 
tüchtige, aber doch nur handwerkliche Arbeiten. Die Köpfe, angenehm 
offen tmd breit, jedoch etwas starr, verrathen, gleich dem Styl der Ge- 
wänder, fränkische Kunst. 
Der Hauptsitz der schwäbischen Schule, der Ort, welcher die Auf- Ulmer 
fassung derselben am reinsten ausprägt, ist Ulm"). Neben Schühlein, Masten 
den wir als Maler und Bildschnitzer schon kennen lernten, finden wir dort 
in dem älteren Jörg Syrlm einen der vorzüglichsten deutschen Meister J- Symm- 
der ganzen Epoche. Während aber in den bisher betrachteten Werken 
die Schnitzkunst sich an die Malerei anlehnte, tritt sie in den Arbeiten 
Syrlins in voller Selbständigkeit und in einer plastischen Schönheit her- 
vor, die luiter den gleichzeitigen Schöpfungen kaum eine ebenbürtige 
4') Abgeb. in den J ahreshefteu des XVürtemb. Alterth-Ver. 1. Heft. Neuerdings 
beschrieben und in Holzschnitt dargestellt: von Dr. G. Bunz. 
 Vergl. Ulms Kunstleben im Mittelaltcir, von Griineisen und Zllauch. Ulm. 
1840.
        

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