Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642471
Zweites Kapitel. 
Nordische Bildnerei 
von 1450 
1500. 
523 
Hervortreten der Horentiner Meister an Feinheit und fester Richtung viel 
gewann, so wurde in Deutschland durch die Selbständigkeit vieler ein- 
zelner Kreise eine Anzahl von Schulen hervorgerufen, die sich durch 
individuelle Auffassung von einander unterscheiden. Da aber das künst- 
lerische Schaffen andrerseits ein zünftig eingeschränktes war und die 
Meister oft nur in dem Zweige der Bildnerei arbeiten durften, der ihrer 
Genossenschaft zustand, so ergiebt sich daraus die weitere Nothwendiglaeit, 
die verschiedenen technischen Gebiete gesondert zu betrachten. Denn 
jene grössere Freiheit der Auffassung hatte ihr Gegengewicht an den 
engeren Schranken, die in technischer Hinsicht dem Schaden gezogen 
waren. In doppelter Weise ein bezcichnender Gegensatz zur Plastik 
Italiens. 
Holzschnitzerei. 
Die 
Dass die Holzschnitzereiü) die Lieblingsteehnik der deutschen Sculp- 
tur dieses Zeitraums ist, bezeichnet stärker als irgend eine andere That- 
sache das Streben, die Bildnerei von der Architektur zu befreien und sie 
selbständig auf eigene Füsse zu stellen. Früher spielte sie eine bescheidene 
Rolle, denn so lange Architektur und Plastik innig verbunden Hand in 
Hand gehen, findet letztere im Steinmaterial das wichtigste Feld der 
Thätigkeit. Was wollten neben dem Reichthum von Steinsculpturen in 
früherer Zeit die wenigen Holzarbeiten sagen! Wohl gab es in diesem 
Material einzelne Statuengruppen, wohl liebte man kolossale Kruzifixe 
über dem Triumphbogen der Kirchen anzubringen; wohl kommen auch 
-im 1-11. Jahrhundert oder im Anfange des folgenden hier und da Holz- 
schnitzaltäre vor, wie jener prächtige in der Kirche zu Tribsees in 
Pommern. Aber erst seit der Mitte des '15. Jahrhunderts nimmt die Holz- 
sehnitzerei in Deutschland einen solchen Aufschwung, dass ihre Werke 
an Masse, und in gewissem Sinne auch an Bedeutung die Arbeiten in 
Stein und Erz überragen. An Bedeutung; denn nirgends treten die Ten- 
denzen der Zeit so entschieden heraus wie gerade in jenen Schnitzereien. 
Wie in Italien die Erzarbeit, so stellt in Deutschland die Holzseulptur den 
realistischen Drang der Zeit am schärfsten und einseitigsten dar: jene, 
weil sie einer schneidend herben Formbezeiehnung entgegenkam; diese, 
weil sie die malerische Richtung vorzüglich begünstigte. 
Die Holzsehnitzerei ist nämlich grossentheils mit der Thatigkeit des 
Vurwiegen 
der Holz- 
Sßlllptll r. 
 Vergl. den Aufsatz von Scham, zur Gesch. der Bildschnitzerei in Deutsch]. 
Kunstb], 1536, Nr, 2, Viele werthvolle Beobachtungen auch in llfazzyerüs genug 
citirtem; aber zu wenig gelesenem Buche: Kunstw. und Künstler in Deutschl. 2Bde. 
Leipzig 1843. 184a.
        

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