Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642383
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Viertes Buch. 
heisst es dort, zusammen in ihrerbdlen Marmorpracht das Gefühl eines 
endlosen Reichthums an Stoff und Kunst; die Gleichartigkeit ihres Inhalts, 
der doch hundertfach variirt wird, erregt das tröstlichc Bewusstsein einer 
dauernden Kunstsitte, bei welcher das Gute und Schöne so viel sicherer 
gedeiht, als bei der Verpflichtung stets „ originell" im neueren Sinne sein 
zu müssen. An den Grabmälern ist der Todte in einfache Beziehung ge- 
setzt mit den höchsten Tröstnngen; ihn umstehen in den Seitennischen 
seine Sehntzpatrone und die symbolischen Gestalten der Tugenden; oben 
erscheint zwischen Engeln die Gnadenmutter mit dem Kinde oder ein 
segnender Gottvater  Elemente genug für die wahre Originalität, welche 
hergebrachte 'I'ypen gern mit stets neuem Leben füllt, und dabei stets 
neue künstlerische Gedanken zu 'I'age fördert, anstatt bei der Poesie 
und andern ausserhalb der Kunst liegenden Grossmächten um neue "Er- 
findungen" anzuklopfen." 
Die meisten dieser Gräber sind von ungenannten Meistern, viele 
gewiss ausser Mino von andern toskanischen Künstlern ausgeführt. Doch 
finden wir früh schon einen einheimischen Bildhauer, den Paolo Romano, 
von welchem das Grabmal des Comthurls Caraffa im Pi-iorato di Malta 
und das des Kardinals Stefaneschi (1417) in S. M. in Trastevere her- 
rühren. Hier ist die Gestalt des Verstorbenen trocken aber individuell be- 
handelt, das Gewand steif. Reifer entwickelt zeigen sieh die beiden Schüler 
jenes Meisters, [Viccolö clella Guardia und Pierpaolo aus Todi, am Grab- 
mal Pius II. (T 1464) in S. Andrea della Valle. Zu den besten dieser 
Grabmäler gehören sodann das Denkmal des Kardinals Pietro Riario 
(T 1474) in S. Apostoli, das des Kardinals Lodovico Lebretto (T 1465) 
in Araeeli, mit der edlen Gestalt des Verstorbenen; ebendort im Chor 
das des Giovanni Battista Savelli (T l498); vor Allem aber in der 
Sakristei von S. M. del Popolo der Altar, welchen 1492 (Y) der Kardinal 
Borgia, naehmaligel" Papst Alexander VI. errichten liessT). In derselben 
Sakristei sieht man das Grabmal des Erzbisehofs von Salerno Pietro Gnil. 
Rocca (T 1482), mit der trefflichen Gestalt des schlummernden Todten, 
darüber im Bogenfelde, innig wenngleich etwas befangen, ein Relief der 
Madonna mit dem Kinde, von zwei Engeln angebetet. In der Kirche 
selbst ist noch eine grosse Anzahl von Grabmälern, unter denen Altar und 
Grab des Kardinals Giorgio Costa von Portugal (l 1508), ill der vierten 
Kapelle rechts eine tüchtige Grabstatue und schön empfundene Reliefs 
i") S0 ist bei Phztner, Besehr. Roms III. S. 225 angegeben. Ich weiss damit 
meine eigene Notiz freilich nicht zu reimen, nach welcher ich am Gebälk dic 
Worte las: "D? ANDREAS HOC OPVS COMPONIT" u. s. w; zuletzt die Jahr- 
zahl 1473. Hiermit ist also ein seither unbekannter Meister xlndreas bezeugt.
        

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