Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642279
lürstes Kapitel. 
xlicnischc Bih 
lerei 
Jnln'l1u1ulc1't. 
503 
Ein anderer Fiesolaner Meister, mtdrea Fer'rzecci_, der bis 1526 lebte, 
vertritt den Geist des 15. Jtihrhuntlerts in liebenswürdigstei- Weise und 
bleibt demselben bis weit in die folgende Epoche hinein getreu. In der 
Reinheit der Empfindung steht er den tüehtigsten Malern der umbrischen 
Schule nahe, in Adel des Schönheitsgefühles gehört er zu den Besten des 
Jahrhunderts. Er arbeitete zuerst in Fiesole, dann in Imola und Neapel: 
sein Hauptwerk aber ist die marlnonie 'l'aufnische im Dom zu Pistoja, 
eine der geistvollsten Arbeiten der Zeit. Atif beiden Seiten ist in vier 
Reliefs die Geschichte Johannes des 'l'itufers geschildert: ungemein innirtr 
empfunden die Geburt, dann seine Predigt, das Gastmahl des Herodes und 
die lebendig bexregte Seene der Enthauptung. Die Figuren sind gut- durch- 
geführt, nur etnras lang. Oben im Bogenfelde ist fast lebensgross die 
'l"aufe Christi in sehr starkem lstelief (largestellt, schön gruppirt mit guter 
Raumausfüllnng, die Gestalten edel, doch hie und da (etwas steifbeinig, 
dies Alles etwa in der reinsten Empfindungsvreise Peruginiis. Herrlich 
gedacht ist die Gestalt Christi, der mit geneigtem Haupte die Arme den 
muthvoll auf der Brust kreuzt; dabei schöne anbetende Engel, theils 
knieend, theils stehend mit reichen Gewändern, in der geniüthwlleil Auf- 
fassung eines Lorenzo di (Iredi. Seit 1508 bei den Arbeiten des Doms 
zu Florenz beschäftigt, wurde er 1512 zum (lhermeister der plastischen 
Ausschrnüekuiig (lesselben ernannt und erhielt den ituftrzrg, eine über- 
lebensgrosse Marmorstatue. des Apostels Andreas zu arbeiten, die man 
noch im linken Kreuzflügel sieht. Sodann fertigte er "1521 ebenfalls für 
den Dom die Marinorbüste des Marsilius Ficinns, endlich für S. Fclieitä 
das edle Bild des Gekrcuzigten.   
Dem Ferrncei verwandt in Adel und Sttlltillllßltßßlllll, überlegen jedoch 
in liültdltlllllü der lürfindung, ist der auch als Baumeister tüchtige Benedello 
da Jlujantv (l442-l4f-l8). Schon früh ein Meister in kunstvoller Holz- 
sehnitzerei, arbeitete er namentlich die dekorativ prächtigen Täfelungen 
in der Sakristei von S. Uroee. Mit nicht minderenr (Falent widmete er 
sich der hlarniorsculptur. Sein Hauptwerk auf diesem Gerbiet, die Kanzel 
in derselben Kirche, steht in erster Linie unter den schönsten Leistungen 
des Jahrhunderts. Schon die Anlage und Eintheilung des Ganzen und 
die Dekoration bezeugen einen ungewöhnlich feinen künstlerischen Sinn. 
Die fünf Statuetten zwischen den Konsolen des Unterbaues sind von an- 
muthvoller Lebensfrische. An der Brüstung sind in fünf Reliefs Scenen 
aus dem Leben des h. Frnnciscus dargestellt. Hier ist die maassvolle 
läehanxlltmg der malerischen Perspektive, bei leicht angedeuteten archi- 
tektonischen und landschaftlichen Gründen, bewundernswürdig. Die Ge- 
stalten sind nicht so gehäuft, wie bei den meisten Zeitgenossen, die Be- 
Fcrrucci 
lieuedettn 
a Mrgiano.
        

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