Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642226
499 
Viertes R1 
arbeitete für den Dom das hlarmorbilrl des h. Lueas, sodann für Or 
 Mieehele, ebenfalls aus lilarinor, die Statuen des Pllillppns nnd (lsgs 
Eligius, sowie in einer andern Nische vier miteinander verbundene l-Ieiligeä"). 
Diese Arbeiten sind würdig und lebensvoll, auch die kleinen Reliefs am 
Fussgestell der Nischen zeigen einen ansprechend einfachen Styl. 
In voller Scharfe tritt das Streben nach kraftvoller Charakteristik bei 
Andrea "Verrocclzio, einem der bedeutendsten Nachfolger Donatellds auf 
(1432 ei1488). Auch er beginnt wie so viele andere mit der Gold- 
sehmiedekuxist, treibt sodann die Malerei und mit besonderem ltlifer die 
Bildhauerei. lilr arbeitet in Silber und Gold, in lllrz und Marmor und 
gehört zu den thatigsten und (einflussreichsten Künstharn der Zeit. Ohne 
höheren Selnrung oder freieren Strom der lürfindung weiss er durch sorg- 
fältige, wenngleich etwas mühsame Ausführung und (lurch glJXViSSGl1ililfit' 
Durelibildung seinen Werken das Gt-spräge. l]lÄll1l1liCil0l' 'l'üehtigkeit zu 
geben. Sein Styl ist scharf und plastiseh bestimmt, im Nackten gediegen. 
doch ohne Reiz, in der Gewandung zu kleinem knittrigeln Bßiltenwvnrf 
neigend. Zu seinen liebenswürdigsten Arbeiten gehört die Bronzestatuette 
eines (ienius, der einen Delphin an sich drüekt, auf dem Brunnen im Hofe 
des Palazzt) vecelrio. Minder gfehmgtsil ist die Bronzestatuc eines 
jugendlichen _l)avid in den Uffizien, vom Jahre 11176, obwohl in der 
freien Bewegung von glücklichem Wurf. Das hlarmorrelief, welches den 
Tod der Gemalin des Franeesee Tornabuoni im Wochenbett (larstellt 
(ebenda), entbehrt allerdings jeder idealen rxnffaissung, schildert aber in 
ergreifender Weise den Schmerz der Angehöriefeii, wie den rührenden 
Ausdruck der Sterbenden. Am bedeutentlstexi ist der Meister da, wo es 
sich um Ausprägung des individuellen Lebens handelt. S0 in dem kolos- 
salen ehernen Reiterhilde des venezianischen Feldherrn Colleoni, (las er 
seit 1479 arbeitete, welches aber erst nach seinem Tode vor S. Giovanni 
e Paolo zu Venedig: aufgestellt wurde. l-lier waltet (lieselbe Herbigkeit 
der Charakteristik wie bei Dnnatellifs  Aber Verroeclliu 
übertrifft ihn noch in jener unwi(lerstehlichen (äewalt. der Bewegung und 
dem fast. brutalen und (incl: grandiosen Trotz des eisernen Kriegers. Auch 
hier kein Zug; von idealer Xierlierrlielulng, aber ein Charakterbild aus 
einem Gusse. Als Andrea das Mbdell Lles "Pferdizs vollendet hatte und es 
eben giessen wollte, hörte er, dass durch vornelnxxen Einfluss dein lila- 
duaner Vellano die Figur des Feldherrn übertragen werden sollte. Sofort 
k) Die Erzählung VusarPs, dass Donutcllo für ein Abendessen dem Kiinstleu 
aus der Verlegenheit geholfen und die vier Statuen durch Abschneiden an den Schul- 
tern und Armen dem Raum angepu-Sßt habe, ßlwvßißf Sich als alberne-s Märchen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.