Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642182
494 
Viertes Buch 
und Naivetat gleich, übertreffen sie aber an Schönheit und Annmth. 
(Fig: 158). Nirgends ist wohl das Kinderleben in der modernen Plastik 
frischer, anziehender geschildert werden. In ihrer treuherzigen Natür- 
lichkeit (erinnern sie lebhaft an die singenden Engel auf dem Genter Jlltzlr 
des Hubert van Eyek. Das Relief ist auch hier so hoch gearbeitet, (lass 
die Tanzenden zum {Theil sieh frei von der Fläche lösen. Am schönsten 
sind die kleinen Knaben, die so lustig und zutraulich (lreinschauen. 
Ebendort sieht man von ihm zwei unvollendete Marniorreliefs, Petri Be- 
freiung aus dem Gefätngniss tmd seine Kreuzigung, ebenfalls recht leben- 
dige Compositionen, ursprünglich für einen Altar im Dome bestimmt, 
dessen Anfertigung ihm 1438 aufgetragen wurde. Sodann schuf er mit 
illiclzelvzzo und Maar) (Zi Bartoloznmeo seit 1446 die Bronzethiir der 
alten Sakristei des Domes, die jedoch erst nach 1464 von Luea. allein 
vollendet wurde. Sie enthält grossartig stylisirte Gestalten von sitzen- 
den Heiligen mit Engeln, die paarweise jenen zugeordnet und auf man- 
nichfaltige Weise mit ihnen in Beziehung gesetzt sind. Die Behandlung 
des Reliefs ist hier von einer Feinheit, wie sie nur noch an der älteren 
'l'hiir Ghibertfs vorkommt. Offenbar bildete Luca sich am meisten nach 
diesem ihm wahlverwandten Vorgänger. Für die Lünetten über beiden 
Sakristeithuren fertigte er sodann in glasirtem Thon die Reliefs der Auf- 
erstehung und Himmelfahrt Christi, die vielleicht zu den frühesten unter 
seinen Arbeiten dieser Art zahlen, in der Cornpositon jedoch minder be- 
deutend sind. 
Was wir sonst von Arbeiten Luea's kennen, gehört ausschliessliteh 
dieser von ilnn erfundenen 'l'eehnik an. Die Feinheit der Glasur, ein 
iIauptv0rzug derselben, ermöglichte dies zarteste Durchbildung der For- 
men; die Dauerhaftigkeit der Technik gestattete die niannichfaltigste 
Verwendung sowohl im Innern als an der Aussenseite der Gebäude. Wir 
finden sie daher an Altären wie in Medaillons und Thürlünetten; aber 
selbst ganze Gewölbe oder Fagatien kleinerer Gebäude werden damit be- 
kleidet. Die Figuren heben sieh in weisser Glasur von einem sanftblauen 
Hintergrunde ab. Für landschaftliche und (lekorative Neloendinge wird 
wohl Grün, Gelb und Violett hinzugefügt, dies Alles jedoch maassvoll und 
ohne die Absicht auf Illusion. Selbst in der späteren Zeit als die Schule 
zu einer reicheren Bemalung überging, wurden die Figuren mehr an- 
deutend als naturalistisch ausgeführt. So schliessen sich diese edlen Werke 
VOll Stylgefühl der Architektur an lmd verdanken zum Theil diesem inni- 
gen Bündniss mit ihr den harmonischen Reiz ihrer Wirkung. Aber noch 
bestimmender war jedenfalls der reine plastische Sinn des hieisters. Durch 
die Bedingungen seiner Technik ebenso sehr wie durch künstlerische
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.