Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642161
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Viertes Buch. 
altar und an einem Altar der Südseite sieht man Scenen aus dem Leben 
des h. Antonius und den Leichnam Christi, von trauernden Engeln gehalten, 
tief ergreifend, die historischen Scenen zum Theil von grosseni (lramztj 
tischen Ausdruck, obgleich wirr und überladen. Das momentane Staimcn 
und Entsetzen bei den Wundergeschichten ist von merkwürdiger Energie 
der Schilderung. Im Chorumgang sieht man dann noch eine Grablegung 
Christi, wo der leidenschaftliche Schmerz der Angehörigen unschön, aber 
wahr und erschütternd geschildert ist. Diese Werke sind bis 1456 aus- 
geführt, wo Donatello nach Florenz zurüekkehrte. Aehnlicher Art sind 
endlich seine letzten Horentiner Arbeiten, die beiden Kanzeln in S. Lo- 
renzo, die er mit seinem Schüler Bcrtoldo ausführte, Welcher sie auch 
nach des Meisters Tode vollendete. Die Brüstungen sind mit Bronze- 
reliefs bekleidet, Welche in figurenreicher malerisch gedrängter Anordnung 
Scenen der Passion enthalten. Hier ergeht sich Donatello's Hang zum 
Dramatischen in wilden, aber höchst ausdrucksvollen Schilderungen. Am 
niaassvollsten ist der Styl noch in der Grablegung (Fig. 157). Dennoch 
linden sich hier Zügc von so tiefer Wahrheit und Leidenschaft, dass sie 
für die Mangel der Composition und der technischen Ausführung ent- 
schädigen. Von den Evangelisten an den Aussenseiten sind die der nörd- 
lichen Kanzel von grossartiger ja feierlicher Würde und einem etllercn, 
den Arbeiten der Sakristei noch entsprechenden Style.  
Ehe wir die Nachfolger des Meisters betrachten, müssen wir uns zu 
einem Bildhauer wenden, der selbständig sich eine eigenthümliche Aus- 
drucksweise schafft und in (ler milden Schönheit seiner Werke sich zu 
Donatello und der Mehrzahl der Zeitgenossen etwa verhält wie die uni- 
brischen Maler zu denen der ilorentinischen Schule. LZCCLL rlclla Robbia 
(1400w- 1481) ging wie die bedeutendsten Bildhauer der Epoche von der 
Goldschmiedekunst aus, welcher er ähnlich wie Ghibcrti und Quercia den 
Sinn für zarte Durchbildting der Gestalten verdankte. Luca ist aber 
ausserdem der Schöpfer einer neuen Gattung der Plastik, die durch ihn 
und seine Schüler eine Vollendung erreicht, welche ihr neben der vor- 
nehmeren Marmor- und Erzarbeit eine ebenbürtige Stellung verbürgt. Es 
sind die Werke in gebranntem Thon, die aber nicht, wie auch sonst 
häufig geschah, bemalt, sondern mit farbiger Glasur versehen wurden. 
Luea muss diese Erfindung früher gemacht haben, als Vasari annimmt, 
denn schon 1446 wird ihm eine Portallünette für das Innere des Doms in 
solcher dArbeit verdungen. Ehe wir indess diese anmuthigen Schöpfun- 
gen betrachten, mögen die vereinzelten, aber darum nicht tmbedcutentli-n 
Werke voraufgeschickt werden, die ihn auch in der Marmor- und Erz- 
technik bewandert zeigen.  
        

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