Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642149
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Viertes Buch. 
sind sämmtlich Reste des Grabdenkmals, 
1427 mit Jliclzelozzo arbeitete. 
welches 
Donatello 
dort 
11m 
Wichtiger als alle diese Werke ist das eherne Reiterbild des vene- 
zianischen Feldherrn Gattamelata vor S. Antonio zu Pad ua, mit welchem 
er die Reihe seiner paduanischen Arbeiten eröffnete. Zum ersten Male 
seit der Römerzeit ist hier -wieder eine Reiterstatue in monumentalem 
Sinne iuid in kolossalcm Verhältniss ausgeführt worden. Schon in dieser 
Hinsicht hat das Werk eine entscheidende kunstgeschichtliche Bedeutung 
als Stammvater aller späteren Denkmale dieser Art. Aber das ungestüme 
Leben, die energische Ilaltung des Reiters, das wuchtige Schreiten des 
schweren Streitrosscs, welches gegen den Reiter etwas zu sehr in Blasse 
und im Eindruck dominirt, das sind Vorzüge, die dieser Schöpfung des 
hIe-isters einen selbständigen Werth verleihen. 
Endlich haben wir Donatello auf einem der fruehtbarsten Gebiete 
seines Wirkens, bei der Reliefbildncrei aufzusuchen. Neben den früheren, 
oben bereits erwähnten Arbeiten ist hier zunächst der Kindcrfries in der 
Sakristei des Doms zu Florenz, weniger durch Anmuth als durch 
Naivetat bemerkenswerth. Am Taufbecken in S. Giovanni zu Siena 
arbeitete er die Darstellung, wie des Johannes Geburt dem Joachim 
verkündet wird, sprechend lebendig, nur in den Gewändern sehr unruhig. 
Ganz in antike Anschauung versenkte er sich in den acht Fricsmedaillons 
im Hofe des Pal. Rieeardi zu Florenz, der Llamals den Medici gehörte. 
Es sind herbe Umbildungen römischer Kameen oder Medaillen in den Styl 
des Meisters, der, beiläufig gesagt, durch seine Vorstellungen Cosimo 
Medici zur Anschatiilnlg antiker Werke veranlasste, nach (lcneil dann 
nachmals Michelangelo und andere Künstler studirten. 
Sukrisll 
S. Lon 
Zu den trefflichsten Werken Donaitellols gehört die plastische Aus- 
sehmüclzilng der alten Sakristei an S. Lorenzo, deren Bau sein Freund 
Brunellesco (um 1428) leitete. Wenn irgendwo, so zeigt sich Donatello 
hier in den Stuekreliefs der Wände als  Plastiker. Vielleicht 
dlueh das Gesetz der Architektur gebunden, componirt er maassvoller als 
in seinen späteren Arbeiten und entwickelt einen wahrhaft plastischen 
Styl voll Einfachheit und eharakteiwroller Bestimmtheit. Bedeutende Werke 
sind an den Schildbogenwätnden die Medaillons mit den lteliefgestalten der 
Evangelisten, die tief in Sinnen oder in Begeisterung verloren vor ihren 
Pulten sitzen. Auch die Itlaehreliefs mit Legendendarstellungen in den 
vier grossen Zwiekeln unter der Kuppel sind klar und einfach. Ueher 
den beiden Seitenthüren sieht man je zwei ebenfalls edel stylisirte Ileiligcn- 
figuren in StHClUTälWfS. Endlich sind auch die beiden Erzthürcm mit den
        

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