Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642137
Erstes Kapitel. 
Italienische Bildnerei im 15. 
Jahrhundert. 
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sclnneckerei gefunden zu haben. Es giebt nichts, das für die völlig ver- 
änderte Richtung der Kunst bezeichnender wäre als diese Keckhoit, 
welche die heiligen Gestalten lediglich als Vorwand für naturalistisvho 
Studien benutzt. Hierher gehört auch die Erzgruppe der J udith mit dem 
Holofernes, in der Loggia de' L anzi. Ein Scitenstück zum David der 
Uffizien, geht dies Werk doch in der Charakteristik so weit in's Ueber- 
triebene, dass statt des heroischen Ausdruckes die Wirkung geradezu 
komisch ist. Das wird immer die Folge einer aussehliesslieh das 
Charakteristische inls Auge fassenden und jede höhere Bedingung der 
Schönheit verschmähenden Kunst sein. 
Dass Donatello da am erfolgreichsten sich bewegt, wo es gilt die 
Persönlichkeit in aller Schärfe individueller Erscheinung aufzufassen, ist 
vorauszusetzen. An seinem Denkmal äapst Johann XXIII. (T 1419) im 
Baptisterium zu Florenzt) zeigt sich die vergoldete Erzfigur des rueh- 
losen Papstes als ein vortreffliehes, dem Charakter wohl entsprechendes 
Werk. Den h. Ludwig von Toulouse, über dem Hauptportal von 
S. Croee, ebenfallsein Bronzeiverk, soll er absichtlich bornirt und 
ungeschickt dargestellt haben,  weil es von dem Heiligen mehr als 
ungeschickt gewesen sei, die Regierung aufzugeben und Möneh zu 
werden. " Man sieht, in wie geringer Achtung bei Donatello die christ- 
liche Askese stand! Eine bronzene Grabplatte des Bischofs J 011. Peccius 
(i 1426) im Dom zu Siena zeigt ebenfalls in der Reliefiigur des Ver- 
storbenen den scharfen Styl des Künstlers. In S. Angelo a Nilo zu 
Neapel ferner befindet sieh das Grabmal des Kardinals Rinaldo di 
Brancacci, an welchem Donatello um 1427 mit seinem Schüler und Gc-_ 
nossen Michelozzo arbeitete. 
Portrait- 
bildet. 
Im Dom zn Montepulciano sieht man neben dem Hauptaltar 
zwei fast lebensgrosse Marmorstatuen, die ganz das Eckige des dona- 
telloschcn Styles haben. Der Aufsatz des Altars ist (inrch Reliefs, 
mit guirlandenhaltenden Genien geschmückt, die manches hübsche leben- 
dige Motiv, aber keine glücklichen Körperverhältnisse zeigen. An den 
beiden ersten Pfeilern ist rechts ein Relief von Kindern angebracht, die 
von einem Mann und einer Frau gehütet werden, links ein ähnliches, 
wo sich Kinder um eine ältliche Madonna schaaren, die ihre Hand 
segnend auf den Kopf eines knieenden lllannes legt. Jenes erste Relief 
ist von hoher Anmuth; dagegen zeigen auf dem andern bei grosser Be- 
wegliehkeit die Gesichter sämmtlich etwas AlllbZlCkGDtfS. Diese Werke 
k) AI 
bei Ficognara, II.
        

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