Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642077
Erstes Kapitel. 
Italienische Bildnerei im 
Jahrhundcrt. 
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des Ausdrucks. Wenn hier noch ein Anklang des älteren Styls zu fühlen 
ist, so tritt in der ebendort befindlichen, von 1419-22 gearbeiteten Statue 
des Matthaust) die neue Auffassung entschieden hervor, vielleicht sogar 
in dem Togamotiv des Mantels etwas zu stark unter dem Einfluss der 
Antike. Um so freier und vollendeter ist die dritte dort von ihm gear- 
beitete Statue des Stephanus, die daher wohl etwas später entstanden 
sein wird. Edel in den Linien, von feinem Schwunge der Bewegung, ge- 
hört sie zu den Werken, in welchen die Schönheit des neuen Styles sich 
am reinsten ausspricht. 
Als Ghiberti die erste Pforte des Baptisteriums vollendet hatte, war 
die Bewunderung des Werkes so gross, dass ihm sofort die noch fehlende 
(ebenfalls übertragen wurde. Er begann wohl unmittelbar die Arbeit und 
führte (lieselbe im Wesentlichen von 1424-47 zu Ende. Dann gingen 
noch einige Jahre mit dem Ueberarbeiten, den Nebensachen, dem Rahmen 
und Pfostenwerk, sowie dem Vergolden hin; 1452 wurde sie eingesetzt. 
und der Meister erlebte noch das Glück, sie aln Irlauptportal von S. Gio- 
vanni glänzen zu sehen H). Dies Werk bezeichnet einen entscheidenden 
Umschwung in der Geschichte der Plastik. Ghiberti fühlte sich von dem 
au-ehitektonischen Rahmen beengt, innerhalb dessen er an seiner eben 
vollendeten Thür doch so herrlich und frei sich bewegt hatte. Der male- 
rische Zug der Zeit ergriff auch ihn mit unwiderstehlicher Gewalt, so dass 
er seine zehn grossen viereckigen Felder mit Darstellungen füllte, die 
gleich Gemälden in perspektivisch abgestuftem Plan und mit reichen land- 
schaftlichen und architektonischen Hiutergriinden sich entwickeln. Gewiss 
war es für die Plastik unheilvoll, dass sie nunmehr mit "der Schwesterkunst 
Wetteifernd in die Schranken trat: dennoch ergeht sich hier an der Hand 
eines grossen Meisters die Bildnerei auf verbotenem Gebiete mit so un- 
nachahmlicher Anmuth, solcher Fülle von Schönheit und Lebendigkeit, 
dass man bei allem Protestiren gegen die verkehrte Richtung doch von 
der Liebenswürdigkeit des Ganzen hingerissen wird. Dazu kommt eine 
Durchbiltlung der Gestalten, ein Fluss der Gewandung, ein weicher 
Schwung der Linien, in welchem sich wohl hie und da einzelne antike 
Motive erkennen lassen, die aber im Wesentlichen aus dein eigenen Schön- 
heitssinn Ghibertiis geflossen sind. Den Inhalt bilden Scenen des alten 
Testamcntes von Erschaffung der ersten Menschen an. Die perspektivische 
Anordnung hat dem Künstler Raum gegeben, jedesmal mehrere Momente 
Ilauptlxiir 
all-s Bßptiih- 
riums. 
k) Neuerdings wohl dem Dliolwlozzo zugeschrieben, aber durch Documenta als 
YVerk Ghibertfs beglaubigt. Vcrgl. Vasari, 6d. Lcmonn. III. S. 110 Note 1 11.8. 132. 
w) Abbildungen der drei Pforten in Lasizrio, le tre porte de] Battistero di 
Firenze. 1821. Firenze. F01.  
        

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